Zeitung Heute : Fröhliche Spekulationen über den "letzten Neandertaler"

Uta-Maria Heim

Feuer im Eis (2): Der letzte Neandertaler. ZDF. Wo würde er jetzt leben, wäre der Neandertaler vor 30 000 Jahren nicht ausgestorben, im Zoo oder im Hochhaus? Der zweite Teil dieser Dokumentation lässt diese Frage einfach so stehen. Denn man weiß, wie internationale Wissenschaftler überzeugend belegen, vom Wesen und von der Geschichte des Neandertalers fast nichts. Über viele Jahrtausende hinweg hatte er sich immerhin neben dem Homo sapiens behauptet, und plötzlich gab es ihn nicht mehr. Der letzte Neandertaler, stellt man sich vor, saß am südlichsten Zipfel von Europa, blickte auf Afrika hinüber und wollte weg. Nach Beckett ist das ein schönes, melancholisches Bild.

Vielleicht hätte uns der Fortbestand der Neandertaler ja vor den allerschlimmsten Auswüchsen der modernen Zivilisation bewahren können? Die Autoren Manfred Baur und Hannes Schuler spekulieren 45 Minuten lang fröhlich über alles Mögliche. Dabei wählen sie diese herrliche ZDF-spezifische Guido-Knopp-Dramaturgie: Nachgestellte Szenen wechseln sich ab mit Dokumentar-Ausschnitten und Experten-Interviews. Dadurch entsteht eine dem prähistorischen Gegenstand völlig unangemessene Authentizität, und am Schluss läuft dann so ein Neandertaler mit einem riesigen Mammutzahn unterm Arm einfach durch unseren Hauptbahnhof. Da kommt es einem ganz urplötzlich so vor, als wäre man diesem seltsamen Kerl schon öfter mal irgendwo in der Stadt begegnet.

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