Frohe Ostern : Schokolade macht dünn

Wenn Ostern vor der Tür steht, und das tut es jetzt, werden manche Menschen ganz hibbelig. So hibbelig, wie wenn Weihnachten plötzlich vor der Tür steht. Auch der Mann, sagen wir, Mitte fünfzig, Brillenträger, kurzes Haar mit weitflächigen Geheimratsecken, wird unruhig. Was alles vorbereitet werden muss: Eier ausblasen, Eier anmalen, ausgeblasene und angemalte Eier an Palmkätzchen hängen, solche Sachen. Oder der Osterspaziergang zum Beispiel, vom Eise befreit undsoweiter, mit wem und wohin, ernste Fragen sind das. Dann das Osterfrühstück, Lachs, Butter, fetten Käse, Eier, Schinken, man darf ja wieder zulangen, dazu den Alkohol am Morgen, das muss schließlich alles besorgt werden; Ostern ist ein arger Stress. Das Kind des Mannes, sagen wir, Mitte fünfzig, Brillenträger, kurzes Haar mir weitflächigen Geheimratsecken, ist gottlob schon aus dem Haus. Sonst hätten auch noch Nester angestanden, die versteckt und gefüllt werden müssen. Und dabei stellt sich die alljährliche Frage, wie viel Süßes darin liegen darf. Einerseits hebt Süßes die Laune, andererseits erfreut es auch Karius und Baktus und macht dick.

Wer will das schon. Der Mann, siehe oben, will das nicht. Für sich nicht, damals fürs Kind auch nicht. Dicke Kinder sind nur populär, wenn sie aus Landau kommen. Also keine Schokolade in die Osternester, denkt der Mann.

Falsch gedacht. Lesen bildet, weiß der Mann. Zum Beispiel das Fachmagazin „Archives of Internal Medicine“. Da steht eine Studie drin, derzufolge viele Freunde der Schokolade dünner sind als die Asketen und Verächter der Schokolade. Warum das so ist, konnten die Forscher der University of California in San Diego nicht sagen, aber fest steht, dass Schokolade mit hohem Kakaogehalt die Cholesterinwerte senkt und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gefragt wurden Menschen, wie oft sie Schokolade essen, sie konnten zwischen nie und täglich wählen. Die, die mehr Schoggis essen, hatten einen niedrigeren BMI. BMI, das ist der Body-Mass-Index, der sich aus dem Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat errechnet. Der Mann, Mitte fünfzig, Brillenträger, Sie wissen schon, hat 25,24 BMI, das ist schon okay, sagt die Kollegin. Und das, obwohl er eher selten Schokolade isst. Insofern ist ihm die Studie nur von geringem Nutzen. Ist aber schon klar, wem sie nützt. Insofern kommt die Veröffentlichung der Studie gerade zur richtigen Zeit. Schließlich stehen die Schokoladenhasen vor der Tür. Helmut Schümann

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