Zeitung Heute : Frust und Freude lassen Gegner und Befürworter in die Luft gehen

Der Airport wird von einer Bürgerinitiative bekämpft, eine andere feiert ihn

Wo Feuer ist, da ist auch Rauch. Mitte April wurde der Hauptstadt-Airport an das Gasnetz angeschlossen. Gegen und für seinen Bau wurde viel Energie aufgewendet. Foto: dpa/lbn
Wo Feuer ist, da ist auch Rauch. Mitte April wurde der Hauptstadt-Airport an das Gasnetz angeschlossen. Gegen und für seinen Bau...Foto: dpa

Wer an Bürgerinitiativen oder Fördervereine im Zusammenhang mit BBI denkt, meint meist diejenigen, die sich als kritische Masse zusammengeschlossen haben, um sich im Namen der Umwelt gegen den Flughafenneubau stark zu machen, die Interessen der Anwohner zu wahren oder in anderer Form Kritik am heiß diskutierten Großbauprojekt zu üben. Aber es gibt auch positive Stimmen.

Eine davon ist der Förderverein Berlin Brandenburg International 2011, kurz BBI 2011 e. V. Die hier seit Anfang 2009 ehrenamtlich Tätigen sehen den neuen Hauptstadtflughafen als Chance. Sie bringen Unternehmen und Institutionen an den Standort, bieten ihnen den Besucherpavillon und den BBI-Infotower als Location für Veranstaltungen an, organisieren besondere Führungen auf der Hightechbaustelle und zeigen durch ihr Engagement, dass der Flughafen als Geschäfts- und Immobilienstandort durchaus attraktiv ist. Gleichzeitig nutzt der Verein das so eingenommene Geld, um soziale Projekte im Umfeld des BBI zu fördern. Vor allem Kinder und Jugendliche stehen ganz oben auf der Prioritätenliste.

„Sie sind die künftigen Nutzer und vielleicht auch Arbeitnehmer auf dem Flughafen“, sagt Dirk Frömter, Geschäftsführer des Vereins. Daher sei es ihm wichtig, dass sie einen Bezug zum Flughafen bekommen. „Es freut mich insbesondere, wenn sich die Kinder und Jugendlichen von der Technik begeistern lassen, Fragen stellen und sich der Sache annehmen.“ Zwar spendet der Verein auch Geld an soziale Einrichtungen wie die Björn Schulz Stiftung, die sich um die Betreuung von schwerstkranken Kindern und deren Angehörigen kümmert. „Aber“, sagt Frömter, „das ist die Ausnahme. Wir engagieren uns in erster Linie direkt im und um den Flughafen mit Führungen und Informationsveranstaltungen, die wir für jede Gruppe individuell planen. Und wir überlegen uns auch immer etwas Besonderes, wie etwa den Besuch im Flugsimulator.“ Der Verein wird dabei von der Flughafenbetreibergesellschaft unterstützt, die fachkundige Führer und Ansprechpartner zur Verfügung stellt.

Besonders der Ausflug mit einer Gruppe „schwerer Jungs“ wird Frömter wohl in Erinnerung bleiben. Die sechs straffällig gewordenen Jugendlichen waren einen Tag lang mit ihren Betreuern auf der Flughafenbaustelle zu Gast. „Sie hatten eine richtig gute Zeit“, sagt Frömter. Überhaupt freut er sich über jede junge Gruppe, der er und seine Mitstreiter einen Ausflug zum BBI ermöglichen können. „Für manche Kinder sind 15 Euro für einen Tag mit Baustellenführung und anschließendem Snack eine Menge Geld. Die Tatsache, dass wir ihnen eine Freude bereiten können, für die sich nichts bezahlen müssen, macht mir Spaß.“

Natürlich weiß der hauptberufliche Unternehmensberater um die Kritik am BBI. „Das bleibt nicht aus“, sagt er. Aber für ihn und den BBI 2011 e.V. steht fest, dass sie sich aus solchen Diskussionen heraushalten. „Wir sind nicht der Flughafenbetreiber, die Probleme sollen andere lösen.“

Die Probleme, die er anspricht, sind vielfältig. Angefangen von der steigenden Lärmbelästigung für die Anwohner über die geplante Aufweichung des Nachtflugverbots bis hin zur Abrodung von 24 Hektar Erholungswald im Rahmen der Ostanbindung des Großflughafens durch die Deutschen Bahn. Um diese Fragen kümmert sich seit 1996 vor allem der Bürgerverein Brandenburg Berlin e.V. (BVBB), der als einzige unabhängige Betroffenenvertretung gilt und die Interessen von mehr als 120 000 Menschen vertritt.

„Wir sind für die Bürger da“, sagt BVBB-Pressesprecher Kristian-Peter Stange. „Wir wollen ihnen helfen, zu verstehen, was ihnen etwa im Rahmen der Schallschutzminderung als Dienstleistung untergeschoben wird.“ Zu viel sei schon passiert, was die Menschen im Umfeld von Schönefeld frustriert. So haben beispielsweise Anwohner ahnungslos Verträge für den Einbau von Lärmschutzfenstern unterzeichnet, wodurch sie aber auf Kosten sitzengeblieben sind, um ihre Hauswände nach dem Fenstereinbau innen und außen neu zu verputzen.

Momentan ist die Bürgerinitiative vor allem mit der Verhinderung geplanter uneingeschränkter Nachtflüge beschäftigt. Eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig steht in der Sache noch aus. Am Ende sollte für Stange jedoch stehen, dass das Nachtflugverbot erhalten bleibt: „Schönefeld war der denkbar schlechteste Standort für den BBI, aber die Politik hat sich dennoch dafür entschieden.“ Jetzt müsse man eben versuchen, für die Anwohner das Beste aus der Situation zu machen. Tong-Jin Smith

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