Zeitung Heute : Frustfressen

Der Tagesspiegel

Nichts gegen die Gastronomie. Sie salbet unser Haupt mit Frittierfett und schenket uns voll ein – und manchmal tut sie noch mehr. Etwa in Bangkok, wo jetzt ein Restaurant für Liebeskranke eröffnet wurde. Die Gäste dürfen schallisoliert schreien und klagen, einen verspiegelten Raum zur Selbstversenkung nutzen oder Glasflaschen auf ein Bild des verflossenen Partners schleudern. So kommt das Altglas ganz ohne duales System weg, und das Gesundheitssystem spart haufenweise Geld für psychologische Behandlung. Der Nutzen für Deutschland liegt auf der Hand: Themenrestaurants, ja ganze Themenparks zur psychischen Entsorgung könnten aufblühen, wenn die Wirte nur wollten. Brandgeschützte Bars, in denen abgestürzte Aktionäre ihr Altpapier vom neuen Markt abfackeln, Fernsehzimmer, in denen wir erst die debilste Talk-Show aussuchen und dann mit dem Fleischklopfer das Fernsehgerät zertrümmern dürfen – das wäre Hilfe im nervenzerrenden Alltag. Politikverdrossene könnten auch eine 40-Prozent-Hürde aufstellen und schadenfroh mit ansehen, wie die vom Computer simulierten Kandidaten der Reihe nach daran zerschellen. Noch besser: ein Restaurant mit der Möglichkeit, dem Koch schlechtes Essen direkt in die Küche zurückzuwerfen. Aber das wäre von den Wirten wohl doch zu viel verlangt.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben