Zeitung Heute : "FU-Fighters" unterliegen gegen die "Big Reds"

Markus Ehrenberg

Softwareschwäche wurde den Berlinern zum VerhängnisMarkus Ehrenberg

Die USA sind zur Zeit für deutsche Fußballer eine Nummer zu groß: Bei der Weltmeisterschaft im Roboter-Fußball in Stockholm kamen die FU Fighters von der Freien Universität Berlin zwar ins Finale der Small Robot League verloren aber gegen die Big Reds aus Cornell/USA mit 0:14. Zum Endspielen fanden sich 1 000 Zuschauer ein, deren frenetische Anfeuerungsrufe bei den computergesteuerten FU-Fighters wirkungslos blieben.

Dabei hatte es im Halbfinale noch gut für die Berliner Roboter ausgesehen. Die FU Fighters, bis zu 15 Zentimeter hohe Klein-Roboter, rangen die favorisierten RobotIS aus Korea mit 5:3 nieder. Aufgrund von Defensivfehlern wurden allerdings acht Elfmeter gegen die FU-Fighters verhängt, die die RobotIS nie direkt verwandeln konnten. Die Software-Probleme bei den FU Fighters konnten bis zum Finale nicht mehr behoben werden. Das Berliner Team entstand aus einem Projekt an der Freien Universität Berlin. Informatik-Studenten entwarfen und programmierten unter Anleitung des Lehrstuhls für Künstliche Intelligenz die fünf kastenartigen Roboter, die auf einer umrandeten Tischtennisplatte gegen 16 Teams um den Robocup in Stockholm spielten. Ein Team der Humboldt-Universität entwickelte Software für Roboterhunde (der Tagesspiegel berichtete), konnte aber auch keinen Titel gewinnen.

Genauso wie Magma Freiburg in einer weiteren Klasse des Robocup, der Simulations-Liga. Freiburg verlor im Finale gegen CM United von der US-Universität Carnegie mit 0:4. Im Finale für mittelgroße Roboter besiegten die Computerkicker aus Iran das Azzura Robot Team aus Rom mit 3:1. Die Italiener hatten zuvor die Ulm Sparrows von der Universität Ulm mit 4:1 und im Halbfinale den CS Freiburg mit 2:1 nach einer hauchdünnen Entscheidung in der Verlängerung ausgeschaltet. Das entscheidende Tor fiel, als ein italienischer Roboter von 50 Zentimeter Höhe den Ball um 0,04 Sekunden schneller in das gegnerische Tor rollen konnte als sein Freiburger Kontrahent.

"Bis wir einen Roboter wirklich dribbeln sehen, ist es noch ein weiter Weg," sagte Gerhard Krätzschmar, Teamchef der Ulm Sparrows 99. Der Assistenz-Professor für Informatik sieht im Vergleich zu den beiden vorhergehenden WM-Turnieren für kickende Computer deutliche Fortschritte: "Beim Auftakt konnten etliche Spieler noch nicht mal laufen." Was bei den Robotern oft noch Rollen bedeutet. Die Maschinen der Middle Size League orientieren sich mit Kamera-Augen auf dem Spielfeld und steuern ihre Bewegungen autonom. Da kommt es schon mal vor, dass ein Spieler dem anderen durch Kollisionskurs die Festplatte kaputt fährt.
© 1999

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