Zeitung Heute : Fünf Jahre Haft für Ex-Bauminister Jochen Wolf

Der Tagesspiegel

Von Thorsten Metzner

Potsdam. Der frühere Bauminister Jochen Wolf ist wegen versuchter Anstiftung zum Mord an seiner Ehefrau zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Potsdamer Landgericht sah am Mittwoch den Vorwurf als erwiesen an.

Das Urteil gegen Wolf, den „Killerminister“, wie die „Bild“-Zeitung ihn getauft hatte, war mit besonderer Spannung erwartet worden. Medienvertreter aus ganz Deutschland verfolgten den Richterspruch, was kaum verwundert: Schließlich musste sich in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie ein Ex-Minister, der gar einmal Ministerpräsident werden wollte, wegen versuchter Anstiftung zum Mord, vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sieben Jahren gefordert, Wolfs Anwalt auf Freispruch plädiert, da seinem Mandanten eine Falle der Polizei gestellt worden sei. Dass er sich damit durchsetzen würde, hatte Stefan Waldeck selbst offenbar nicht angenommen. „Der Prozessverlauf und das Verhalten der Strafkammer am Potsdamer Landgericht haben mir gezeigt, dass wir mit einer Verurteilung rechnen müssen“, sagte Wolfs Anwalt gestern unmittelbar vor der Verkündung des Urteils.

Während des Prozesses, der am 10. Januar begonnen hatte, hatte der 60-jährige Ex-Politiker, der einst das Rampenlicht genoss, beharrlich zum Tatvorwurf geschwiegen - bis zuletzt. Nur zum Schluss dankte er seinem Anwalt. Doch in der Untersuchungshaft und gegenüber dem psychiatrischen Gutachter Alexander Böhle, der Wolf trotz narzistischen und paranoiden Zügen für hochintelligent und voll schuldfähig hält, hatte Wolf bereits ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Gegenüber Böhle hatte Wolf gesagt, er sei „juristisch schuldig“.

Auch der von den Fahndern im Juli 2001 am Bahnhof Zoo mitgeschnittene Dialog beim Treffen mit dem angeblichen Auftragskiller Ralf M., der im Gericht verlesen wurde, ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Der „Killer“: „Ich habe von Dir den Auftrag bekommen, Deine Frau zu beseitigen. Und ich habe es getan“. Wolf verlangt eine „offizielle Bestätigung“, dass das „Problem“ gelöst sei: „Ich bin schon drei Mal verarscht worden.“ Der „Killer“: „Soll ich Dir eine Schaufel geben. Willst Du sie ausbuddeln?“ Als Zeuge sagte Ralf M. aus, dass Wolf den Mordauftrag, für den ein Honorar von 10000 Mark vereinbart war, kühl und berechnend erteilt habe. Ralf M. hatte sich der Polizei offenbart, zu der er - das stellte sich im Prozess heraus - als Kontaktmann beste Kontakte hatte.

Aber der Prozess, der nun endete, dürfte ganz unabhängig vom Urteil ohnehin nur noch der juristische Schlusspunkt unter das verpfuschte Leben des Jochen Wolf sein: Eines Mannes, der nach 1990 mit dem steilen Aufstieg zum Minister nicht fertig wurde. Und erst recht nicht mit seinem tiefen Fall, nachdem er 1993 nach Baufilz-Vorwürfen seinen Ministersessel räumen musste. Seitdem ging es auch in der Ehe endgültig bergab, sagte Ehefrau Ursula aus, mit der er sich einige Jahre einen erbitterten, ö ffentlich ausgetragenen Rosenkrieg lieferte.

Laut Staatsanwaltschaft habe Wolf seine Frau umbringen lassen wollen, weil diese die Scheidung verweigerte und ihn finanziell ausbluten ließ. Er sei in einer verzweifelten Situation gewesen: Ohne Scheidung konnte er seine junge russische Geliebte Oksana nicht heiraten. Als die sich kurz vor Weihnachten 1998 mit seiner Sportpistole erschoss, was das für Wolf eine Tragödie, für die er Ehefrau Ursula verantwortlich machte und auf Rache sann.

Dies alles habe Wolf sehr mitgenommen, sagte die Zeugin Christel Z. im Prozess aus, eine langjährige Mitarbeiterin Wolfs im Wirtschaftsministerium, wo sich der Ex-Minister wieder in einen Job eingeklagt hatte. Sie ist die Mutter von Andreas D., der Wolf den vermeintlichen „Killer“ vermittelt hatte. Nach ihrer Aussage habe Wolf immer verbitterter über den Scheidungskrieg gesprochen und sich in Verschwörungstheorien verfangen: So sei er überzeugt gewesen, dass Regierungschef Manfred Stolpe und weitere Spitzenpolitiker sich auch nach seinem Rücktritt gegen ihn verschworen hätten, ein Komplott gegen ihn schmieden würden. Kam das Gespräch auf dieses Thema, so die Zeugin, „dann war es, als würde der Verstand aussetzen.“ Hatte Wolfs früherer Anwalt Sven-Oliver Milke noch gemutmaßt, dass auch hinter der Mordanstiftung, hinter der Polizeifalle, in die Wolf tappte, eine Politintrige stecke, spielte dies in der Vetreidigungsstrategie Waldecks keine Rolle.

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