Zeitung Heute : Fünf Tage vor der Präsidentschaftswahl - Peter Frey war für eine ZDF-Reportage in Russland unterwegs

Thomas Gehringer

Der Flughafen von Krasnojarsk in Sibirien bietet keinen vertrauenerweckenden Anblick: Mehrere Flugzeugwracks stehen dort herum - als immer präsenter Fundus zum Ausschlachten für die wenigen noch intakten Maschinen. "Wir sind besser als unser Ruf", hat der Pilot dem ZDF-Chefreporter Claus Richter vor dem Start versichert. Doch Kras-Air, eine von fast 400 Fluggesellschaften in Russland, nimmt vorsichtshalber noch einen Navigator und einen Mechaniker zusätzlich mit an Bord. Schließlich sei das Kabinenpersonal mitunter jünger als die Ausrüstung, verkündet Richter und zeigt dazu eine schmucke Stewardess.

Trotz veralteter Technik und fehlender Ersatzteile ist der Reporter bei Schneetreiben und minus 15 Grad dann doch wohlbehalten gelandet. Nach seinen Beobachtungen droht allerdings auch eine politische Eiszeit: Das Vertrauen in den Westen sei nahezu vollständig verloren gegangen. Demokratie werde mit Korruption gleich gesetzt und Kapitalismus mit Ausbeutung. Claus Richters Beitrag zählt zu den zehn Einzelstücken, die das ZDF wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl zu dem 90-minütigen Reportage-Mosaik "Wer rettet Russland?" (heute um 22 Uhr 15) zusammengesetzt hat. "Wir wollen die Menschen in ihrem Alltag zeigen", sagt Peter Frey, der Leiter der Mainzer Auslandsredaktion. Das ist bei der Berichterstattung über das "Riesenreich" (ZDF) Russland wirklich keine neue Idee, doch Auslandsreportagen erfreuen sich großer Beliebtheit. Vor allem Autorenstücke à la "Gerd Ruge unterwegs" kommen gut an, und auch das ZDF will seine Korrespondenten-Köpfe verstärkt in den Vordergrund schieben. In allen Einzelstücken von "Wer rettet Russland?" treten die Reporter bei Interviews vor die Kamera. An erster Stelle taucht Peter Frey auf, der als Auslandschef und Moderator des "Auslandsjournal" eigentlich in Mainz statt in Moskau beheimatet ist. Zweifel an seiner Kompetenz weist er zurück: "Das ist nicht wie bei Peter Kloeppel, der sich mal auf den Roten Platz stellt und morgen wieder im Studio steht."

Der ehemalige Washington-Korrespondent drehte seine Beiträge aus Jekaterinburg, Perm und Kasan, der Hauptstadt der Tataren, innerhalb von knapp zwei Wochen. Und im Gegensatz zum RTL-Anchorman hat Frey ja die eigenen Korrespondenten im Rücken. Das ZDF-Studio Moskau zeichnet für die anderen Beiträge verantwortlich: Leiter Dirk Sager suchte nach Spuren des Wahl-Favoriten Putin in St. Petersburg und hat zudem eine Moskauer Familie begleitet, Anne Gellinek sprach mit Soldaten im Tschetschenien-Krieg, und Dietmar Schumann schildert den Wahlkampf in der Region Archangelsk.

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