Zeitung Heute : Für das Handelszentrum in Lichtenberg haben die Investoren große Pläne

Harald Olkus

Von einer "schönen Aussicht", wie ein Plakat an der Fassade des "Storkower Bogens" in Lichtenberg behauptet, kann nur begrenzt die Rede sein: Vom zwölfgeschossigen Hochhaus des Gebäudekomplexes am Rande von Lichtenberg schaut man auf die Brachfläche des ehemaligen Schlachthofgeländes an der Eldenaer Strasse, wenige hundert Meter um die Ecke steht die Investitionsruine "Landsberg Arkaden", dahinter liegt eine Plattenbausiedlung - in so einer Nachbarschaft ist es nicht eben leicht, Mieter für Büroflächen zu finden.

Vor zwei Jahren war der als Büro- und Geschäftszentrum errichtete Gebäudekomplex in die Schlagzeilen geraten, als der Bauherr, die Düsseldorfer "Cosmos Bauconsult GmbH", den Neubau mit vielen baulichen Mängeln an die Münchner "Jost Hurler Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft" verkaufte. Durch die nötigen Instandsetzungsarbeiten verzögerte sich auch die Fertigstellung erheblich. "Es war sehr schwierig, danach eine Akzeptanz bei der Bevölkerung für das Wohngebietszentrum zu erhalten", sagt Rainer Blankenburg von der "NR Projektbetreuung", die mit dem Marketing für den Storkower Bogen beauftragt ist. Denn zusätzlich zu den rund 25 000 Quadratmetern Bürofläche entstanden in dem Komplex aus acht Gebäuden rund 30 kleinteilige Einzelhandelsgeschäfte mit Restaurant, kleiner Wasserfläche und einer Reihe von Dienstleistungsunternehmen.

Mit Hilfe vieler Marketing-Aktionen hat man es geschafft, dass die Bewohner der Plattenbauten den Komplex als Nahversorgungszentrum annehmen, die Ladenflächen sind zu 90 Prozent belegt. Dazu bietet das Center Management mehrmals pro Woche ein Kultur- und Bildungsprogramm an, das vom Kinderkino bis zur Schreibwerkstatt für Senioren reicht. Außerdem halten die Lichtenberger Bezirksverordneten ihre Versammlungen in einem Saal im Storkower Bogen ab, die umliegenden Schulen geben dort ihre Zeugnisse aus.

Doch die Vermarktung der Büros in den acht Gebäuden aus Stahl und Glas läuft schleppend: Nur etwa die Hälfte der Flächen ist vermietet. Versuche, in einem Teil der Räume ein Existenzgründerzentrum einzurichten, schlugen fehl. Doch der Investor zeigt einen langen Atem. Mit Hilfe verschiedener Konzepte will er die Flächen für Mieter interessant machen. Da dieser Teil der Stadt von Büromietern bislang noch kaum beachtet wird, versucht sich die "Jost Hurler KG" durch regelmäßig abgehaltene Fachforen zu verschiedenen Themen von anderen Immobilienanbietern abzuheben und den Mietern über die reinen Büroflächen hinaus zusätzlichen Nutzen zu bieten.

Investor und Marketingfirma haben ein Feld ausgemacht, das ihrer Meinung nach bislang in Berlin noch vernachlässigt wird - der Ost-West-Handel. Vor allem in Hinblick auf eine mögliche Aufnahme Polens in die EG gebe es ein beträchtliches Entwicklungspotenzial. Im Ostteil der Stadt bestehen eine Reihe von traditionellen Verbindungen, die ungenutzt brachliegen, die aber die Geschäftskontakte zu einem künftigen Markt in Polen erleichtern könnten. Nicht nur werde der Ost-West-Handel von der Berliner Politik zu wenig gefördert, kritisiert Gerhard Kanzler, es werde auch den polnischen Unternehmen schwer gemacht, in der Stadt Fuß zu fassen.

Künftiges Ost-West-Zentrum

Im Mai hielt die "Jost Hurler KG" deshalb eine "Osteuropa-Wirtschaftskonferenz" im Storkower Bogen ab, an der neben Vertretern des Senats und verschiedener Bezirke auch Unternehmer aus Berlin und Polen teilnahmen. Kanzler will eine Art Kompetenzzentrum für den Ost-West-Handel im Storkower Bogen bilden. Bereits jetzt sei eine Reihe der Mieter in diesem Bereich tätig. Künftige Mieter könnten von Kontakten profitieren, die sie innerhalb des Hauses schliessen können. Außerdem bietet er osteuropäischen Unternehmen ein sogenanntes "Start-Paket" an: Sie können ein Büro samt Sekretariatsdienst und Beratungsmöglichkeiten zu günstigen Bedingungen mieten. So will Kanzler die Hemmschwellen solcher Firmen senken, in Berlin ein Büro zu eröffnen.

Ein anderer Themenbereich, in dem es sich lohne, Kompetenz zu zeigen, sei die Informationstechnologie (IT). Im Oktober wurde deshalb ein weiteres Informationsforum abgehalten, in dem mehrere Mieter des Storkower Bogens, die in der IT-Branche tätig sind, miteinander über die Möglichkeiten verschiedener Kommunikationsdienstleistungen diskutierten.

Darüber hinaus soll im Storkower Bogen jetzt ein Netzwerk installiert werden, mit dem alle Mieter kostenlos innerhalb des Objektes miteinander kommunizieren können. So soll Wissen in verschiedenen Bereichen besser vernetzt und die Zusammenarbeit im Haus erleichtert werden, sagt Rainer Blankenburg. Innerhalb des Hauses können damit auch verschiedene Branchen voneinander profitieren und sich gegenseitig ergänzen. Auf dem IT-Forum habe sich gezeigt, dass geschulte Fachkräfte im IT-Bereich Mangelware sind. Die vom Arbeitsamt angebotenen Kurse gingen oft am Bedarf vorbei, sagt Blankenburg. Deshalb will ein im Storkower Bogen ansässiger Schulungsbetrieb jetzt ein eigenes Ausbildungsprogramm entwerfen, das gezielter auf den Bedarf ausgerichtet sei.

Bei den Mietpreisen im Storkower Bogen will Kanzler sich flexibel zeigen: "Es gibt Mieter, die wir brauchen, um unser Dienstleistungsangebot innerhalb des Hauses abzurunden." Deshalb wird im Storkower Bogen mit einer Mischmiete zwischen 15 Mark und 23 Mark 50 pro Quadratmeter kalkuliert.

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