Zeitung Heute : Für den Chefredakteur der "Neuen Revue" macht diese schwer nachvollziehbare Mischung Sinn

Lars Törne

Wer in dieser Woche die "Neue Revue" am Kiosk liegen sieht, könnte auf den ersten Blick meinen, das einstige Schmuddel- und Busenblatt aus dem Bauer-Verlag sei zum linksradikalen Politmagazin mutiert. "Zahltag, Junker Joschka!" lautet die Schlagzeile auf dem Titel, darüber lächelt die Frankfurter Ökosozialistin Jutta Ditfurth in die Kamera und zeigt Außenminister Fischer frech ihren Mittelfinger. Im Heft enthüllt die einstige Grünen-Sprecherin und Gründerin der radikalen "Ökologischen Linken" dann auf vier Seiten, wie Fischer und andere "Karrieristen und Opportunisten" die einstige Ökopartei in einen "autoritären, korrupten Haufen" verwandelt haben.

Bei Lesern, die das Heft bisher eher wegen seiner Geschichten über "Titten, Tote und Tränen" ("Frankfurter Rundschau") gekauft haben, dürfte die bittere Abrechnung der Ex-Grünen für Überraschung sorgen. Denn die Attacke der Feministin findet in einem bizarren Umfeld statt. Dazu gehören die Nacktfotos von "Jana (21), Rechtsanwaltsgehilfin " ebenso wie Auszüge aus Heinz G. Konsaliks Sekten-Roman "Der Herr der zerstörten Seelen" oder der Bericht des Pop-Sternchens Nicci Juice über "Das erste Mal".

Für Chefredakteur Peter Bartels, der die "Neue Revue" seit Mai leitet, macht diese Mischung jedoch Sinn. "Tits and Politics" sei sein Konzept, sagt er. Damit will der ehemalige "Bild"-Chefredakteur und Wahlkampf-Texter von Helmut Kohl das einstige Millionen-Blatt, das derzeit eine Auflage von rund 350 000 Exemplaren hat, vor dem Leserschwund retten. Die "Politics" gehen dabei in erster Linie gegen die rot-grüne Bundesregierung. So passt es, dass neben der Ditfurth auch Wolfgang Schäuble mit dem neuen Kanzler abrechnen darf - auch wenn Chefredakteur Bartels betont, keine politische Richtung zu vertreten, sondern eine "Wundertüte" anzubieten, die jedem etwas bieten will.

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