Zeitung Heute : Für die Bodenhaftung

Dagmar Dehmer

Das Gentechnikgesetz ist verabschiedet. Was muss geschehen, dass gentechnikfreie Ernten geschützt werden?

Ohne Gentechnikgesetz könnten sich Fremdgene aus veränderten Nutzpflanzen unkontrolliert ausbreiten. Denn stehen ein Feld mit gentechnisch verändertem Mais und eins mit konventionellem direkt nebeneinander, befruchten sich die Pflanzen gegenseitig – ein Gen-Austausch lässt sich nicht verhindern. Noch schwieriger ist das bei Raps. Die Pollen fliegen so weit, dass etwa in Kanada ein konventioneller, oder Öko-Anbau von Raps unmöglich geworden ist. Die Ernte lässt sich nicht mehr als gentechnikfrei vermarkten. Nicht alle Pflanzen breiten sich so aus. Aber das Risiko, ein Insektenresistenzgen oder ein Resistenzgen gegen Herbizide in verwandte Nutz- oder Wildarten einzubringen, gibt es immer.

Das Gentechnikgesetz, das der Bundestag am Freitag gegen den Widerstand der Opposition verabschiedet hat, soll helfen. Zum einen mit einer Haftungsregelung, die den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu einem wirtschaftlichen Risiko machen kann. Denn wird die Ernte eines konventionell oder ökologisch wirtschaftenden Bauern gentechnisch verunreinigt, müssen, wenn sich der Verursacher nicht zweifelsfrei feststellen lässt, alle Gentechbauern in der näheren Umgebung gemeinschaftlich für den Schaden haften. Ein Schaden entsteht dann, wenn ein konventionell wirtschaftender Bauer, der sich in einem Liefervertrag für einen Nahrungsmittel- oder einen Handelskonzern verpflichtet hat, gentechfreie Ware zu liefern, das nicht mehr kann. Wenn der Anteil der Fremdgene mehr als 0,9 Prozent beträgt, muss auch die Ware des konventionellen Bauern als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden. Er würde seinen Liefervertrag verlieren oder wegen Vertragsbruchs belangt werden. Passiert das einem Ökobauern, wird er aus seinem Landbauverband ausgeschlossen und verliert das Biosiegel. Für solche Schäden müssen die Gentech-Bauern aufkommen.

Die Ausbreitung der Genpflanzen soll aber auch durch eine so genannte gute fachliche Praxis verhindert werden, die Sorgfaltsregeln definiert. So müssen Abstände zwischen Gentechfeldern und konventionellen Äckern eingehalten werden. Zwischen den Feldern müssen Hecken gepflanzt werden, um den Pollenflug zu behindern. Ein grundstücksgenaues Standortregister soll konventionell und ökologisch wirtschaftenden Bauern Auskunft über die Pläne ihrer Nachbarn geben. Baut einer Genmais an, könnte der andere zum Beispiel Kartoffeln oder Weizen anbauen, um eine Verunreinigung zu vermeiden.

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