Zeitung Heute : Für die klugen Köpfe

Die Förderung von Elite-Unis wird die Hochschullandschaft verändern – und das Leben der Studenten

Anja Kühne

Die Ministerpräsidenten der Länder haben die Förderung von Elite-Unis beschlossen. Was bringt das für die Studenten?

Bei der Exzellenzinitiative geht es nicht um Geld für bessere Betreuung, sondern um neue Mittel für die Forschung. Trotzdem kann das Programm die Hochschulwelt in Deutschland so stark verändern, dass auch die Studierenden es deutlich spüren. Denn die „Exzellenzinitiative“ ist nichts anderes als ein Elite-Wettbewerb zwischen den Hochschulen, wie es ihn in Deutschland noch nie gegeben hat. Es wird Sieger-Hochschulen geben, die sich im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit sonnen. Und es wird Hochschulen geben, die leer ausgehen. 40 Graduiertenschulen, 30 „Exzellenzcluster“ für große interdisziplinäre Projekte und zehn Projekte zum „Ausbau der Spitzenforschung“ sollen mit 1,9 Milliarden Euro von Bund und Ländern über sechs Jahre gefördert werden.

Welcher ehrgeizige Student würde nicht lieber an einer Sieger-Uni studieren, an der starke Professoren Millionen für riesige Forschungsprojekte einfahren? Und welche Firma wird ihre Jobs nicht gerne an Absolventen von Top- Hochschulen vergeben, deren Glanz auch das Unternehmen schmückt? So werden leistungsorientierte Studierende sich um erfolgreiche Professoren scharen. In der Folge kann die siegreiche Uni ihre Doktoranden aus den besten Studierenden rekrutieren. Sie wird immer stärker und hängt andere ab.

Aber sollen sich das auch die vielen Studierenden, die nicht von einer solchen Uni angenommen werden, wünschen? „Die Abschlüsse von anderen Hochschulen werden dann massiv abgewertet", sagt Steffi Geyer vom „Freien Zusammenschluss der StudentInnenschaften (fzs)“, dem Dachverband der deutschen Studierendenvertretungen.

Bislang muss sich kein deutscher Hochschulabsolvent seiner Uni schämen. Ein Zeugnis aus Flensburg gilt genauso viel wie eines aus Passau. Der Elite-Wettbewerb könnte nun aber nicht nur einige Hochschulen finanziell begünstigen, sondern auch als Image-Kampagne für einige wenige Hochschulen wirken: „Einige Hochschulen wären dann vermeintlich nicht so toll, auch wenn die Realität eine andere ist“, befürchtet Steffi Geyer. Auch würden in dem Wettbewerb nur „marktgängige Fächer“ gefördert – Biotechnologie statt Sozialpädagogik.

Dorlies Last, die Bundesvorsitzende des CDU-nahen Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), teilt solche Sorgen nicht. „Wettbewerb hat noch nie geschadet.“ Wenn am Ende nicht mehr alle Universitäten gleich aussehen, können davon auch die Studierenden profitieren, meint Last: „Die Hochschulen geben sich ein Profil, ein Gesicht. Dann weiß der Student, was er später in den Händen hält, wenn er dorthin geht. Das ist auf dem Arbeitsmarkt wichtig.“

Wird es bei uns bald wie in den USA zugehen, wo es zahllose ziemlich schwache neben einer Hand voll Star-Unis gibt? „Solche Verhältnisse wie in den USA wird es bei uns nie geben“, sagt Dorlies Last. Ihr geht es darum, dass Hochschulen und Studierende zusammenfinden, die zueinander passen, „nicht nur Top-Leute“. Deshalb müsse auch die Verteilung der Studierenden durch die ZVS völlig abgeschafft werden: „Gerade wenn die Studierenden Studiengebühren bezahlen, kann es keine Zwangsverschickung mehr geben.“ Doch auch wenn die ZVS bleibt: Die Hochschullandschaft ist dabei, sich zu verändern.

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