Zeitung Heute : Für die Schüler lernen

Der Tagesspiegel

Wer in absehbarer Zeit sein Examen für den Schuldienst macht, hat gute Karten: Lehrer werden händeringend gesucht. Aber wie wird es in sechs bis sieben Jahren aussehen, wenn die heutigen Studienanfänger ihren Abschluss in der Tasche haben? Prognosen für den Arbeitsmarkt sind schwierig; was heute als brotlos gilt, kann morgen schon zukunftsträchtig sein.

Das Lehramtsstudium ist ein typisches Beispiel für eine solche Trendwende. Noch vor kurzer Zeit war von „totalem Einstellungsstopp" die Rede, inzwischen werden in allen Bundesländern wieder Lehrer gebraucht. Wer Informatik oder ein naturwissenschaftliches Fach für den Schuldienst studiert hat, kann zwischen vielen Angeboten wählen, sagt Heiko Gosch, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Aber auch Englischlehrer werden wieder eingestellt, sogar, wenn sie kein Referendariat absolviert haben – noch vor kurzem unvorstellbar. Für Musikpädagogen, so hieß es vor acht Jahren, gebe es langfristig keine Stellen. Diese Prognose hatte offenbar eine so abschreckende Wirkung, dass heute nicht einmal der ohnehin geringe Bedarf an Musiklehrern gedeckt ist. Der größte Mangel herrscht in den berufsbildenden Fächern: Wer Hauswirtschaft, Ernährungslehre oder Kosmetik unterricht, hat die freie Auswahl. Nur an den Grundschulen wird es auch in den nächsten Jahren mehr Bewerber als offene Stellen geben.

Erst seit 1999/2000 steigt die Zahl der Anfänger in den Lehramtsstudiengängen wieder leicht an, nachdem sie zuvor um fast ein Viertel zurückgegangen war. Da ein Studium jedoch im Durchschnitt sechs bis acht Jahre dauert, ist noch mit einer mehrjährigen Durststrecke zu rechnen, bis den Schulen wieder genügend Absolventen zur Verfügung stehen.

Kann man Abiturienten nun empfehlen, ein Lehramtsstudium zu beginnen? Die Berufsaussichten scheinen gut zu sein, aber Gosch rät zur Vorsicht: Ab 2010 rechne man mit sinkenden Schülerzahlen. Die positiven Prognosen zögen außerdem wieder mehr Bewerber an, und so sei eine erneute „Lehrerschwemme" in etwa acht Jahren nicht auszuschließen. Jutta Liesen

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