• Für die Zukunft gewappnet Schon jetzt an später denken: In vielen Berufen gehören Fort- und Weiterbildungen dazu

Zeitung Heute : Für die Zukunft gewappnet Schon jetzt an später denken: In vielen Berufen gehören Fort- und Weiterbildungen dazu

Alles, was mit dem Thema Energieeffizienz zu tun hat, fasziniert Robin Krüger schon lange. Der 25-Jährige ist Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik und seit vier Jahren bei der Firma ST Gebäudetechnik in Potsdam als Geselle beschäftigt. Dort hat er seine Lehre gemacht. Um sich auf moderne Kühl- und Klimaanlagen zu spezialisieren, absolvierte er neben dem Job eine Weiterbildung an der Bundesfachschule für Kältetechnik in Thüringen, die er nach neun Wochen mit einem Umweltschein für Kältetechnik abschloss. Damit die Mitarbeiter immer mit dem neusten Stand der Technik mithalten können, sind für Geschäftsführer Andreas Neyen Weiterbildungen selbstverständlich.

Schon mit der Wahl des Ausbildungsplatzes werden die ersten Weichen für die weitere berufliche Entwicklung gestellt. Dabei können angehende Azubis etwa darauf achten, welche Perspektiven der Betrieb bietet und ob Weiterbildungen und Personalentwicklung zur Unternehmenskultur gehören. Während der Ausbildung besteht die Möglichkeit, Schwerpunkte zu setzen und damit den Weg für künftige Qualifizierungen einzuschlagen.

Eine abgeschlossene Berufsausbildung bietet zwar eine solide Basis für die berufliche Karriere – doch die Zeit des Lernens ist damit heute längst nicht vorbei. „Wir leben in einer globalisierten, technisierten und wissensbasierten Gesellschaft, in der lebenslanges Lernen unerlässlich ist“, sagt Stefan Mathews, Bereichsleiter Weiterbildung bei der IHK Berlin. Ihm zufolge sind Mitarbeiter nach fünf Jahren ohne zusätzliche Qualifizierungen den aktuellen Anforderungen kaum noch gewachsen. Um frühzeitig für diese gewappnet zu sein, rät er jungen Berufstätigen darauf zu achten, welche Fähigkeiten im Unternehmen oder auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden.

Laut einer IHK-Befragung haben Unternehmen den größten Bedarf an fachlich qualifizierten und teamfähigen Mitarbeitern sowie an Personal für Führungspositionen. Neben den Erwartungen eines zukünftigen Arbeitsplatzes sollten junge Berufstätige bei der Wahl einer Fortbildung auch folgende Fragen berücksichtigen: Was will ich wirklich? Habe ich dafür die notwendigen Berufserfahrungen? Ist die Unterrichtsform für mich geeignet? Lerne ich lieber am Computer oder in Präsenzveranstaltungen? Hilfreich bei der Suche sind die Kammern und im Internet die Weiterbildungsdatenbank Berlin.

In einigen Bereichen können die Übergänge zwischen Erst- und Weiterbildung fließend gestaltet werden, beispielsweise bei einem Dualen Studium, das mit einer Berufsausbildung und einem Bachelorstudium abschließt. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können leistungsstarke Abiturienten zudem mit dem Bildungsangebot „Meister Kompakt“. Die Akademie für Elektro- und Informationstechnik, eine durch die Handwerkskammer Berlin und die Elektroinnung Berlin geführte Ausbildungsstätte, bietet von September an erstmals zwei Berufsabschlüsse an. Die Azubis absolvieren eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik mit zusätzlicher Meisterprüfung in insgesamt dreieinhalb Jahren.

Außerdem gewinnt auch informelles Lernen zunehmend an Bedeutung. Katharina Schumann, Referatleiterin Bildungsberatung bei der Berliner Handwerkskammer, hält Fortbildungen grundsätzlich in jedem Beruf für notwendig, allerdings in technischen Bereichen für unerlässlich. „Die Entwicklung vom Benzinmotor zum Hybridantrieb oder zur Elektromobilität bestimmt heute die berufliche Tätigkeit“, sagt sie. Ebenso seien Computerkenntnisse nicht nur am Schreibtisch, sondern auch im Handwerk wichtig.

Einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit zufolge hat die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland in den vergangenen Jahren leicht aber stetig zugenommen, im Vergleich zu 2001 um gut 13 Prozent. Katja Gartz

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