Zeitung Heute : Für eine Kultur der Vielfalt

Von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Foto: Laurence Chaperon
Foto: Laurence Chaperon

Vielfalt – es mag nur ein Schlagwort sein; und doch erfasst dieser Begriff einen zentralen Punkt unseres Zusammenlebens und Zusammenhalts in Deutschland. In der Tat: Ob Mann oder Frau, jung oder alt, behindert oder nicht, ob mit oder ohne Migrationshintergrund – jeder einzelne Mensch ist in seiner Individualität, mit seinen einzigartigen Gaben und Talenten ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft. Die Wertschätzung von Vielfalt ist alles andere als eine kurzweilige Modeerscheinung. Sie ist vielmehr Teil einer auch im wahrsten Sinne des Wortes gewinnbringenden Wirtschafts- und Gesellschaftskultur.

Charakteristisch für unsere Soziale Marktwirtschaft ist, dass für viele Unternehmen die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung geradezu selbstverständlich ist. Sie entwickeln strategische Antworten auf eine alternde und geringer werdende Bevölkerung ebenso wie auf Globalisierung und Internationalisierung der Arbeitsteilung.

Hierfür steht mit „Diversity Management“ eine Unternehmensstrategie zur Verfügung, die Vielfalt als wichtigen Erfolgsfaktor erachtet. Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Stärken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht über einen Kamm geschert werden. Im Gegenteil: Werden individuelle Chancen eröffnet, lässt sich auch das innovative und kreative Potenzial besser nutzen. Persönliche Kompetenzen sind und bleiben das wertvollste Kapital eines Unternehmens. Dieses Kapital gilt es aber auch sorgsam anzulegen und einzusetzen. Das ist gut für die einzelnen Beschäftigten und ihre Motivation. Das ist gut für das Unternehmen. Und das ist letztlich auch gut für die gesamte Volkswirtschaft.

Viele deutsche Unternehmen sind bekannt für ihre starke internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wer global agiert, muss sich auf Märkten mit entsprechend unterschiedlichen Kulturen behaupten. Erfahrene Unternehmer wissen um das Erfolgsrezept, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den eigenen Reihen zu haben, die in den betreffenden Kulturkreisen beheimatet sind oder ihnen nahestehen. Sie wissen, dass neben Fachwissen auch persönliche Erfahrungen entscheidend für die Erschließung und Pflege neuer Märkte und Kundenkreise sind.

„Diversity Management“ kann sich also in vielerlei Hinsicht bezahlt machen – sei es durch geringere Mitarbeiterfluktuation, mehr Engagement und Innovationsfreude oder sei es auch durch ein besseres Image als modernes und weltoffenes Unternehmen. So erweist sich gelebte Vielfalt als wichtiger Schlüssel sowohl zu persönlichem als auch zu wirtschaftlichem Erfolg.

Genau das ist die zentrale Botschaft der Unternehmensinitiative „Charta der Vielfalt“. Ihr haben sich inzwischen mehr als 1300 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mit über sechs Millionen Beschäftigten angeschlossen – das größte Unternehmensnetzwerk dieser Art in Deutschland. Als Schirmherrin bin ich allen Unterzeichnern der Charta sehr dankbar. Sie setzen auch öffentlich ein Zeichen, um den Erfolgsfaktor Vielfalt in unserer Unternehmenskultur fester zu verankern.

Die Konferenz „Diversity 2012“ zielt in dieselbe Richtung. Sie fördert Austausch, zeigt positive Beispiele auf und spornt zur Nachahmung an – frei nach dem Motto: Aus der Praxis für die Praxis. In diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine gewinnbringende Veranstaltung!

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

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