Zeitung Heute : Für eine starke Truppe

Robert Birnbaum

Die Grünen wollen statt der Wehrpflicht einen freiwilligen Kurzdienst für Männer und Frauen. Wäre das eine Lösung für das Problem mangelnder Wehrgerechtigkeit?

Der Konflikt ist einer der letzten, der aus der Anfangsphase des Projekts Rot-Grün übrig geblieben ist. Schon immer sind die Grünen für die Abschaffung der Wehrpflicht eingetreten, einst aus prinzipiellem Pazifismus, heute, ein paar deutsche Militäreinsätze unter rot-grüner Verantwortung später, mit dem gleichen Argument wie die FDP: Nach der ständigen Verkleinerung der Bundeswehr stehe die Wehrgerechtigkeit nur noch auf dem Papier. Bei der künftig neunmonatigen Grundwehrdienstzeit, rechnete der Grünen-Wehrexperte Winfried Nachtwei jetzt vor, müssen nur mehr 13 Prozent eines Männerjahrgangs mit der Einberufung rechnen.

Nachtwei hat deshalb einen Übergang von der Wehrpflicht zu einer Freiwilligen- und Berufsarmee mit Hilfe eines „freiwilligen flexiblen Kurzdienstes“ vorgeschlagen. Der soll zwischen zwölf und 24 Monate dauern, darin eingeschlossen eine halbjährige Probezeit, in der beide Seiten das Dienstverhältnis kurzfristig wieder auflösen können wie im normalen Berufsleben auch. Für diesen Dienst melden können sich nach Nachtweis Vorstellungen junge Männer, aber auch junge Frauen, außerdem auch solche Bewerber, die – etwa aus gesundheitlichen Gründen – eigentlich nicht wehrpflichtig wären. Einen Anreiz soll eine höhere Eingangsbesoldung geben, einen weiteren die Aussicht, nach der konzentrierten Kurzausbildung bereits fit für Auslandseinsätze zu sein.

Der Grüne verschweigt nicht, dass die Bundeswehr sich wohl auch sonst stärker darum kümmern müsste, für Nachwuchs attraktiv zu werden. Dass das teuer werden könnte, ist seit langem eines der wichtigen Argumente von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) für die Beibehaltung der Wehrpflicht. Struck tut Nachtweis Idee denn auch als einen bloß „aufgeregten Vorschlag“ ab. Hinter vorgehaltener Hand warnen Militärs vor einer zweiten Gefahr: In Profi-Armeen dienen oft junge Leute, die im normalen Berufsleben keine Chance haben. Dieser Negativ-Auswahl will Nachtwei unter anderem durch klare Begrenzung der Bundeswehr auf einen friedenstiftenden Auftrag gegensteuern. Dann könne der Soldatenberuf auch für Jugendliche aus dem grünen Polit-Spektrum eine „erwägenswerte Option“ werden.

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