Zeitung Heute : Für Hütchenspieler ist kein Platz (Kommentar)

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Eine Auslosung beinhaltet immer auch das Zufallsprinzip. Insofern war das, was da am Mittwochabend in der Halbzeitpause des Champions-League-Qualifikationsspiels im Berliner Olympiastadion zwischen Hertha BSC und Famagusta passierte, durchaus rechtens. Denn zufällig fanden die Personen, die vor den ARD-Kameras die Auslosung für die dritte Hauptrunde im DFB-Pokal vornahmen, ja noch das fehlende Los von Eintracht Trier. Allerdings nicht, wie es sich ziemt, in dem Glasbehälter auf dem Tisch, sondern unter dem Tisch, versteckt in einem Sack. Götz Eilers, der Justitiar des Deutschen Fußball-Bundes, wies nach kurzer Verlegenheit erst einmal alle Manipulationsverdächtigungen zurück, liess die Auslosung fortsetzen und erklärte noch spät am Abend, alles sei in bester Ordnung. Die Auslosung gilt also.

Wirklich? So schön eine Neuauflage des Berliner Pokal-Duells zwischen Tennis Borussia und Hertha BSC auch wäre, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sollte zum Zwecke der eigenen Glaubwürdigkeit schnellstens das Auslosungsprozedere wiederholen. Selbst wenn jetzt alle betroffenen Klubs erklärt haben, sie würden die dubiose Auslosung akzeptieren. Es geht nicht, dass ein Los, in diesem Falle das von Eintracht Trier, irgendwann im Verlauf der Ziehung unter dem Tisch verschwindet und erst dann nach hektischer Suche wieder auftaucht, wenn für einen Klub partout kein Kontrahent mehr im Lostopf zu finden ist. Für Hütchenspieler ist schon auf unserem Kudamm kein Platz, erst recht sollten ihnen die Fernsehstudios verschlossen sein. Und wieso gibt es eigentlich keine Generalprobe für einen derartigen Akt? Man darf doch wohl davon ausgehen, dass dabei das Fehlen des bewussten Loses festgestellt worden wäre. Oder ist es gar bei der Generalprobe unter den Tisch gefallen?

Um festzustellen, dass diese Form der Auslosung gehörig gegen die guten Sitten verstößt, dazu braucht man nicht Rechtsanwalt zu sein wie Götz Eilers. Er ließ das Verfahren trotzdem durchgehen. Und das wiederum ruft grundlegende Bedenken hervor, ob das Rechtsverständnis beim DFB nicht manchmal ein sehr, sehr eigenartiges ist.

Um auch Imageschaden abzuwenden von einem Wettbewerb, der ohnehin unter der Abschaffung des Europapokals der Pokalsieger und durch die Freistellung der deutschen Europacupteilnehmer für die ersten beiden DFB-Pokal-Runden deutlich an Wert verloren hat, bietet sich jetzt nur eine Lösung an: Neu losen.

Und vielleicht holt ja wieder jemand TeBe gegen Hertha aus dem Lostopf. Wie es der Zufall so will . . .

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