Zeitung Heute : „Für Menschen gibt es keine Formel“ Eberhard Schenk über kulturelle Unterschiede

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Herr Schenk, deutsche Manager besprechen mit ihren chinesischen Kollegen ein neues Projekt. Welche interkulturellen Probleme kann es geben?

Deutsche sind es gewohnt zu diskutieren. Mit Argumenten wollen wir andere von der eigenen Idee überzeugen. Chinesen hingegen erarbeiten die Dinge gemeinsam. Sie vermeiden es, vehement eine Position zu beziehen.

Was muss man bei Kontakten mit chinesischen Kollegen beachten?

In Deutschland ist das Leben individualistisch. In China hingegen zählt das soziale Netzwerk, sowohl das berufliche als auch das private. Beim Kennenlernen, wird die andere Person durchleuchtet: „In welches Netz ist mein Gegenüber verstrickt?“. Die Deutschen sind sachorientiert und das Private bleibt außen vor.

Mit welchen Erwartungen kommen die Teilnehmer in ihre Kurse?

Häufig wird erwartet, dass der Trainer eine mathematische Formel präsentiert, die ,den Chinesen’ verallgemeinert. Aber das menschliche Verhalten lässt sich nicht so präzise beschreiben. Vor allem nicht im vielschichtigen China.

Ist das Interkulturelle Training eine gute Vorbereitung für den Einsatz im Ausland?

Das hängt von der Bereitschaft und den Vorerfahrungen der Teilnehmer ab. Wer schon mal im Ausland war, verarbeitet die Informationen anders als jemand,der noch nie in der Fremde gelebt hat.

Was raten Sie zum Umgang mit ungewohnten Sitten wie Rülpsen oder Spucken?

Man kann die chinesische Kultur nicht auf solche Äußerlichkeiten reduzieren. Das sind nur Banalitäten. Viel wichtiger ist das Zwischenmenschliche, also das Gespräch. Kein gutes Geschäft würde an einem Rülpser scheitern, aber vielleicht an der falschen Kommunikationsstrategie.

Das Gespräch führte Stefanie Schwarz

EBERHARD SCHENK , 44, ist Diplom-Psychologe und Leiter für Interkulturelles Training bei den Carl-Duisberg-Centren. Er kennt China aus seiner Tätigkeit als Forscher, Trainer und Berater.

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