Zeitung Heute : Für Olympia trainieren

Heike Jahberg

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann

Arko ist jetzt ein Olympionike. Bei der diesjährigen Wintersportolympiade der Stofftiere und Puppen im Jahn-Sportpark hat unser Stoffhund seinen Sprung von der Vier-Meter-Schanze sauber gestanden. Allerdings hatte sich Arko auch mit großer Akribie auf seine ersten Olympischen Winterspiele vorbereitet: Das Höhentraining hatte der Schäferhund aus dem Hause Steiff auf der Großschanze in Oberwiesenthal absolviert, seine psychische Stabilität hatte er mit Hilfe von Einzelsitzungen beim Sporttherapeuten Tom verbessert, und seine Ernährungsberaterin Linda hatte dem Ausnahmeathleten eine hundgerechte Diät aus Vollkornflocken und Proteinen verpasst. Dennoch mussten wir ohne Medaille nach Zehlendorf zurückfahren. Das lag aber nicht an uns.

Was war passiert?

Der letzte Starter, eine lila Riesenameise namens Blume, wurde wegen Dopings disqualifiziert, der Ameisen-Trainer, genannt der „Zar“, zog sich als Geste des Protests einen Riesenhasenkopf über und rutschte als Hybrid zwischen Mensch und Tier über die Schanze, woraufhin das Olympische Komitee völlig zu Recht gegen den Zaren eine sechsjährige Olympia-Sperre verhängen wollte, was aber dazu führte, dass sich der „Zar“ trotz eisiger Kälte seinen Pulli und das T-Shirt vom Leibe riss und damit drohte, seinen nackten Oberkörper mit Benzin zu übergießen, das sich aber zum Glück nur als Wasser entpuppte; die allgemeine Verwirrung konnte „der Zar“ nutzen, um die Medaillen zu rauben, mit denen er dann irre lachend und offensichtlich den Verstand verloren habend in den nebligen Sportpark lief und die Flucht ergriff, ohne sich darum zu kümmern, dass viele der kleinen Trainer und Trainerinnen, die ihren Erwin oder Affie um die Medaillen betrogen sahen, zu weinen begannen, und ohne die wichtigste Frage der Welt zu beantworten: Wievielter ist unser Arko denn jetzt eigentlich geworden?

Das ist alles ganz genauso passiert. Denn was wir vorher nicht wussten: Die Olympiade ist von der Performance-Truppe „Club Real“ veranstaltet worden. Für Kinder ist deren Programm nur bedingt geeignet. Zehlendorfer Kinder könnten stattdessen nachmittags ins Bali-Kino gehen, dort gibt es um 16 Uhr immer schöne Kinderfilme.

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