Zeitung Heute : Für Rumänien backen

Andreas Austilat

Wie ein Vater die Stadt erleben kann

Zum letzten Geburtstag erst, da hat mein Mädchen einen Airbus bekommen. So einen kleinen aus Plastik, zum Zusammenleimen. Damit sie nicht immer nur mit Puppen spielt. Könnte doch sein, dass unsere Tochter auch das Zeug zur Physikerin hat, vielleicht wird sie sogar eines Tages Kanzlerin. Und deshalb soll sie nicht nur Rosa tragen, Klavier spielen und sich stundenlang das Haar bürsten. Bisher freilich trägt sie ziemlich gern Rosa, bürstet sich stundenlang das Haar und wenn sie am Klavier sitzt, kennt sie keine Mittagsruhe. Immerhin, den Airbus hat sie ganz gut hingekriegt.

Doch dann habe ich sie wieder mal in der Küche überrascht. Sie stand am Herd und zog ein Blech mit Keksen aus dem Ofen. Ich kann mich nicht erinnern, ihren Bruder jemals freiwillig backen gesehen zu haben. Kind, dachte ich, was tust du schon wieder am Herd? Sie backt sehr gern, muss man wissen, eine Leidenschaft übrigens, die ihre Mutter nicht mit ihr teilt. Immer noch ganz in Gedanken nahm ich mir einen Keks. Das heißt, ich wollte mir einen nehmen. Da bekam mein Mädchen plötzlich so einen harten Zug. „Die sind für Rumänien“, sagte sie. Rumänien, wieso Rumänien?

Sie zeigte mir dann den Zettel, den sie in der Schule bekommen haben – ein Päckchen für arme Kinder in Bukarest. Leider ist es gar nicht so leicht, armen Kindern in Rumänien etwas zu schenken, weil der rumänische Zoll recht streng ist. „Grundsätzlich müssen alle Geschenke neu sein“, stand auf dem Handzettel – also kein gebrauchtes Spielzeug. Und weil meine Tochter vielleicht ein bisschen wenig Taschengeld bekommt, jedenfalls nichts kaufen wollte, hat sie eben gebacken.

„Weißt du, dass 300 Kinder auf unsere Päckchen warten“, sagte sie ein wenig vorwurfsvoll, „und wir haben nur zwei Bleche.“ Für mich war tatsächlich kein Keks vorgesehen. Aber kann ich ihr deshalb einen Vorwurf machen?

Es ist ja bekannt, dass Mädchen sehr viel seltener straffällig werden. Mädchen zünden auch keine Autos an, wie Alice Schwarzer gerade erst in der „FAZ“ feststellte. Und sie engagieren sich sehr viel häufiger fürs Gemeinwohl. Ach die Kleine, soll sie sich doch die Haare bürsten, solange sie will.

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