Zeitung Heute : Für Tegel müssen 10 000 Bäume fallen

Der Tagesspiegel

Von Rainer W. During

Tegel. Um die Betriebssicherheit des Flughafens Tegel zu gewährleisten, werden in der Jungfernheide fünf Hektar Wald gerodet. Gestern früh haben die Berliner Forsten auf Anweisung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit dem Fällen von rund 7000 bis 8000 Kiefern begonnen. Das Gebiet zwischen Flughafenzaun und Bernauer Straße soll in eine Wiesenlandschaft umgestaltet werden. Parteien und Umweltschutzverbände kritisierten die kurzfristig angekündigte Aktion.

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung hatte man bereits 1999 festgestellt, dass die Bäume inzwischen in den Sicherheitsbereich der Einflugschneise hinein gewachsen waren. In diesem Jahr steht routinemäßig die nächste Vermessung an, bei unzureichender Hindernisfreiheit hätten dann Flugbeschränkungen gedroht. „Kurzfristig müssen daher alle Bäume weichen, die durch ihre Höhe mittlerweile ein Hindernis für die landenden Flugzeuge darstellen oder die für die Landemanöver wichtige so genannte Sichtbefeuerung verdecken“, heißt es in der Erklärung der Senatsverwaltung.

Pro Hektar stehen in diesem Bereich 1000 bis 2000 Kiefern, so der Sprecher der Berliner Forsten, Marc Franusch. Weil nach einem Beschnitt nur der Stamm übrig bliebe, werden sie jetzt von einer Privatfirma komplett gefällt. Dabei kommt ein computergesteuertes Spezialfahrzeug zum Einsatz, von dem die Stämme gleich entastet und nach Verwendung sortiert werden.

„Wir hatten keine Alternative, da schon in Kürze in Tegel Betriebseinschränkungen notwendig geworden wären“, sagte Franusch. Deshalb könne man die Bäume nicht bis zur frühestens für 2007 vorgesehenen Schließung des Flughafens stehen lassen. Die 30 bis 60 Jahre alten Kiefern seien überwiegend vor dem Ausbau Tegels in den 70er Jahren gepflanzt worden und jetzt 17 bis 20 Meter hoch. Zulässig seien je nach Entfernung zur Landebahn aber nur Bäume zwischen 7 und 13 Metern.

Wegen der bevorstehenden Brut- und Setzzeiten der im Wald lebenden Tiere sollen die Rodungen bis zum 31. März beendet werden. Im Herbst und Winter sollen dann noch einzelne Bäume in entfernteren Bereichen gefällt und bis zu 300 bis zu 140 Jahre alte Laubbäume beschnitten werden. Anschließend ist hier „eine offene Strauch- und Wiesenlandschaft mit kleineren Waldinseln“ vorgesehen. Spätestens zum Wochenende wollen die Forsten für die Spaziergänger Infoboxen aufstellen und Hinweiszettel verteilen. Unter der Rufnummer 64 19 37 25 steht ein Info-Telefon zur Verfügung. Das Bezirksamt Reinickendorf war laut Baustadtrat Michael Wegner (CDU) von der Rodungsaktion ebensowenig informiert worden wie die Naturschutzverbände.

Carmen Schultze vom BUND sprach von einer „unverantwortlichen Nacht- und Nebelaktion“. Da man mit Sicherheit „nicht erst gestern“ festgestellt habe, dass die Bäume in den Schutzbereich wachsen, hätte frühzeitig erörtert werden können, ob der jetzige Kahlschlag durch einen sanfteren Eingriff zu verhindern gewesen wäre. Als „unglaublich“ bezeichnete die Abgeordnete Claudia Hämmerling (Bündnis 90/Die Grünen) das Verhalten der Senatsverwaltung. Die bevorstehende Rodung hätte im Abgeordnetenhaus besprochen werden müssen, sie falle bereits jetzt in die Nistperiode. Vor der geplanten Schließung von Tegel sei die Frage, ob die Vorschriften noch so rigoros ausgelegt werden müssen, meinte ihr Parlamentskollege Uwe Döring von der PDS.

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