Zeitung Heute : Für Urlauber schwitzen

Zukünftige Tourismusmanager sind ständig auf Bildungsreise

Anke Assig

So sieht Verlockung aus: „Vier Monate Karibik, Unterkunft und Verpflegung wird bezahlt!“ Auch Quebec, Los Angeles und Sharm El Sheik sind zu haben. Gesucht werden jedoch keine Urlauber. Das Angebot umwirbt die Studenten des Willy-Scharnow-Instituts der FU. Die 25 künftigen Führungskräfte der Tourismusbranche wissen: Urlaub für die einen bedeutet harte Arbeit für die anderen.

Das Aufbaustudium dauert ein Jahr, die Schwerpunkte liegen in Management und regionaler Fremdenverkehrsplanung. Der Lehrplan ist eng gepackt. Er führt die zukünftigen Manager und Berater durch Berlin und Brandenburg. Im Auftrag von Tourismusverbänden und Kommunen analysieren sie Besucherströme und Anwohnerwünsche, etwa im Spreewald, im Fläming oder im Schlaubetal. Sie erstellen Marketingkonzepte für den Fremdenverkehr.

Katrin Hackbart ist zufrieden. „Die Dienstleistung am Reisenden steht im Mittelpunkt der Kurse“, sagt die 26-jährige Betriebswirtin aus Wismar. „Besonders spannend sind die Vorträge der Gastdozenten aus den Unternehmen.“ Tatsächlich liest sich die Referentenliste wie das Who-is-Who der Reisebranche. Unter anderem schicken TUI, die Deutsche Lufthansa, British Airways, American Express und die Stiftung Warentest ihre Touristikfachleute in die Malteserstraße nach Berlin-Lankwitz.

Diese Gastredner sind auch potenzielle Arbeitgeber für die Absolventen. David Montero (25) aus Spanien hat jedenfalls schon genaue Vorstellungen, wo er sich im kommenden Herbst bewirbt. „Am liebsten möchte ich bei einer Airline einsteigen und dort den Einkauf von Hotelkapazitäten übernehmen“, sagt der studierte Literaturwissenschaftler. Wenn er in ein paar Monaten seinen Abschluss in den Händen hält, wird der Name eines Tourismus-Pioniers auf der Urkunde stehen: Willy Scharnow. Der Bremer Unternehmer baute nach dem Zweiten Weltkrieg ein Reisebüro auf. Er organisierte Reisen nach Süddeutschland. Während des Wirtschaftswunders reiste man per Bahn, nur selten im Flugzeug. „Die Urlauber wurden damals mit einer Blaskapelle am Bahnhof begrüßt und zu ihren Pensionen geleitet“, erzählt Christoph von Haehling, der Chef des Instituts. „Der ganze Ort nahm daran Anteil. Scharnow-Reisen war ein Begriff.“ Spätere Generationen können mit dem Namen nicht viel anfangen, denn Scharnows Unternehmen ging später im größten Touristikkonzern Europas auf – der TUI.

Noch zu Lebzeiten gründete der weitsichtige Unternehmer eine Stiftung, die sich der Fortbildung des Branchennachwuchses widmet. Da sich das kleine Institut für Tourismus an der FU dank seiner Absolventen und Forschungen einen guten Ruf erworben hat, ging die Stiftung mit dem FU-Institut eine Partnerschaft ein. Mit einer halben Million Euro hat sie die Forschung des Instituts in den letzten fünf Jahren unterstützt. Dafür erarbeiten die Wissenschaftler jährlich eine Studie über neue Trends bei den Reisen und den Reisenden, die für die Tourismusbranche von großer Bedeutung ist. Seit 1999 trägt das Institut auch Willy Scharnows Namen.

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