Zeitung Heute : Für Verbraucher gilt: genau hinschauen

Die Grundregeln der Geldanlage zählen auch für grüne Investments – was Anleger beachten sollten.

Es gibt viele Gründe, warum immer mehr Anleger genauer wissen möchten, was mit ihrem Geld geschieht und wo es für sie arbeitet. Einer ist das Misstrauen, das während der Finanzkrise entstand. Viele Anleger entwickelten das diffuse Gefühl, irgendetwas sei in der Finanzwelt grundlegend nicht in Ordnung. Ein anderer Grund ist der Wunsch nach Transparenz in einer Welt, die vielen immer undurchsichtiger und komplexer erscheint. Und nicht zuletzt strahlt die Nachhaltigkeits- und Biobewegung auch auf den Finanzsektor aus. Viele Menschen wollen mit ihrem Geld nicht mehr ein Rüstungsunternehmen oder einen Atomkonzern unterstützen.

Die Alternative sind grüne Geldanlagen, also Anlagen, die außer der Erwirtschaftung von Rendite noch einen weiteren Zweck haben: „Sie wollen nachhaltig etwas bewegen und zum Beispiel zum Klimaschutz beitragen“, sagt Jörg Weber, Experte für nachhaltige Geldanlagen beim Fachinformationsdienst EcoReporter.

Die Produktpalette ist mittlerweile ebenso breit wie bei konventionellen Anlagen. Vom Tagesgeldkonto über Investmentfonds bis hin zu Firmenbeteiligungen kann der interessierte Anleger eine Menge Angebote finden. Viele konventionelle Kreditinstitute haben grüne Produkte in ihr Portfolio aufgenommen, die sie neben ihren normalen Produkten anbieten. In der Regel sind das Fonds, die in bestimmte Branchen investieren, wie zum Beispiel in Wind- oder Wasserkraft.

Wann sie ein Produkt als „grün“ bezeichnen, bestimmen die Banken selbst. „Die Begriffe grün, ethisch oder nachhaltig in Zusammenhang mit Geldanlagen sind nicht geschützt“, sagt Weber. Auch gibt es kein übergeordnetes Gütesiegel, das die Angebote bewertet. Die Banken geben sich selbst ihre Richtlinien und es gibt auch keine Stelle, welche die Einhaltung dieser Grundsätze überwacht

Als Öko-Test im vergangenen Jahr eine Reihe solcher grüner Fonds untersuchte, war das Ergebnis ernüchternd. Nur drei von 30 untersuchten Aktienfonds hielten, was sie versprachen und waren tatsächlich nachhaltig. Die Finanzexperten von Öko-Test fanden in den vermeintlich korrekten Fonds Anteile von Rüstungsfirmen und Umweltverschmutzern. Auch Atomkraft war zu finden – sie gilt immerhin als CO2-arm. Finanzexperte Weber empfiehlt, sich die Anlagekriterien des Fonds genau anzuschauen und sie sich vom Bankberater erläutern zu lassen. „Nur so kann ich feststellen, ob der Fonds dasselbe unter Nachhaltigkeit versteht wie ich oder ob ich mich nach einem anderen Produkt umschauen muss“, sagt er.

Es gibt einige Grundregeln, die genauso für herkömmliche Anlagen wie für grüne Anlagen gelten. Denn diese können genauso risikobehaftet sein wie die konventionellen. Die Verbraucherzentralen warnen davor, grüne Produkte allzu blauäugig zu erwerben, nur weil sie ein ethisches Etikett verpasst bekommen haben. Auch bei grünen Fonds hängt die Performance davon ab, worin sie investiert haben und wie sie verwaltet haben – ein grüner Fonds ist nicht per se erfolgreicher. Deshalb rät Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen: „Man sollte sich immer einige Fragen stellen: Welche Risiken stecken drin, welche Kosten kommen auf mich zu und ist die versprochene Rendite realistisch?“

Das gilt besonders für geschlossene Fonds oder Beteiligungen an Projekten wie Offshore-Windparks. Sie sind nur für risikofreudige Anleger empfehlenswert. Denn wer sich an einem Windpark beteiligt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er Unternehmer wird, mit allen Risiken. Scheitert das Projekt, ist das Geld im Zweifelsfall verloren. Wer sich für so eine Investition entscheidet, sollte auf keinen Fall sein gesamtes Geld investieren, sondern nur Summen, die er unter Umständen verschmerzen kann.

Und noch etwas gilt für konventionelle wie grüne Anlagen: Der Anleger sollte breit streuen, um seine Risiken zu minimieren. Und die sind im Öko-Bereich unter Umständen etwas höher, weil ganze Marktbereiche ausgeklammert werden. Da ist eine Streuung innerhalb der abgedeckten Bereiche umso wichtiger.

Neben den grünen Produkten herkömmlicher Geldhäuser gibt es auf dem deutschen Markt mittlerweile eine ganze Reihe nachhaltiger Banken, die ethisches Finanzhandeln zu ihrem Credo erhoben haben. Die größten unter ihnen sind die GLS Bank, die Ethikbank, die Umweltbank und die niederländische Triodos.

Die Bio-Banken bieten das gesamte Spektrum an Geldanlagen an. Allerdings schwächeln sie in Sachen Rendite: Auf allen Tagesgeldkonten von ihnen liegen die Zinssätze unterhalb der aktuellen Inflationsrate. Die GLS Bank hat zusätzlich auf ihrem Tagesgeldkonto noch eine Mindesteinlagesumme von 10 000 Euro.

Aber eine gute Nachricht lautet: Auch die grünen Banken sind in Deutschland den Einlagensicherungssystemen angeschlossen. Die GLS Bank und die Ethikbank sind Genossenschaften und damit in das Sicherungssystem der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken eingebunden. Damit sind die Einlagen in unbegrenzter Höhe gesichert. Etwas anders sieht das bei der Umweltbank und der Triodos aus: Hier sind die Einlagen der Anleger nur bis zu 100 000 Euro gesichert. Inga Höltmann

Autor

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben