Zeitung Heute : Fürs Jenseits sparen

Till Hein

Wie ein Neuberliner die Stadt erleben kann

An meinem Geburtstag werde ich schwermütig. Da freut man sich natürlich, wenn jemand an einen denkt. Prompt flatterte ein Brief ins Haus. Von der BKK IHV, meiner Krankenkasse. Immerhin nicht von der PKK.

„Sehr geehrter Herr Hein“, las ich, „ein Thema, das in unserer Gesellschaft gern verdrängt wird, ist der Bereich Sterben. Doch über kurz oder lang betrifft es jeden von uns, deswegen kann man ruhig drüber reden.“

Stimmt eigentlich, dachte ich: Der Bereich Sterben wird unterschätzt. Doch dann wurde die gute alte BKK IHV leider konkret: Im „Ernstfall“ seien meine Hinterbliebenen „neben der Trauer und der Abwicklung von Formalitäten“ mit Kosten konfrontiert, „die sie oft überfordern“.

Also wirklich! Einen Sarg wird sich meine Sippe schon noch leisten können. Wär doch gelacht! Weiter unten rechnete die BKK IHV allerdings vor, was mein Abgang kosten wird: „Sarg mit Ausstattung: 1300 Euro“, zum Beispiel. Statten die ihre Särge mit Krokodillederfutter und Brillanten aus? Ein weiterer Posten: „Traueranzeigen und Sonstiges: 500 Euro“. Das versteht man schon eher: „Sonstiges“ hat natürlich seinen Preis. „Gesamtaufwendungen: 7300 Euro“, bilanzierte meine Krankenkasse.

Als ich weiter las, begann ich am deutschen Staat zu zweifeln: „Seit Januar 2004 verbietet der Gesetzgeber den gesetzlichen Krankenkassen die Zahlung von Sterbegeld an die Mitglieder“, stand da. Wie bizarr! Da zeigt mal jemand Eigeninitiative, und wird prompt nicht dafür belohnt. Ein völlig falsches Signal! Immerhin leben wir in einer überalterten Gesellschaft: Sterben muss sich wieder lohnen!

Ich schließe die neue Zusatzversicherung „SIGNAL IDUNA Todesfallversicherung“ auf jeden Fall ab. Denn am Schluss des Briefs von der BKK stand ein zwingendes Argument: „Der ,Notgroschen’ bleibt unangetastet.“ Stark! Ich werde auch als Leiche noch etwas auf der hohen Kante haben. Da kann der Gesetzgeber machen, was er will.

Alles in trockenen Tüchern. Ich freu mich aufs Jenseits! Schön, wenn man mit 36 noch Perspektiven hat!

Bei Fragen zum Leben & Sterben: BKK IHV, Der Gesundheitspartner, www.bkk-ihv.de

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