Zeitung Heute : Fürs Tempodrom, für Moabit

Der Tagesspiegel

In der Marketing-Abteilung von Herlitz stapelten sich Briefe aus Kindergärten und Schulen. „Pädagogen bitten uns wegen der knappen Mittel um Sachspenden. Da können wir schon mal mit Filzern oder Papier aushelfen“, sagt Wolfgang de Filippo, Marketing-Leiter. Die Firma hat sich mit Peter Herlitz an der Spitze über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht – wenn auch der Etat für Sponsoring angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten stetig zurückgefahren wurde.

Peter Herlitz – der Name ist den Berlinern und Brandenburgern in vielerlei Beziehungen zum Begriff geworden. So gewann der Unternehmer einst prominente Unterstützer wie Gorbatschow und Berggruen für einen Förderkreis zur Rettung des Krankenhauses Moabit. Bereits ein Jahr zuvor, 1997, machte sich Herlitz für die Rettung des Tempodroms stark – diesmal erfolgreicher. Sechs Jahre nach der Wende engagierte sich der Unternehmer im Kuratorium des Fördervereins zum Erhalt des baufälligen Brandenburger Doms.

Doch auch im Kleinen hinterließ die Firma Spuren. So waren Herlitz-Mitarbeiter im Roten Rathaus dabei, wenn der Regierende Bürgermeister Kinder zu Einschulungsfeiern einlud. Für Veranstalter und Gäste eine Gelegenheit, günstig an Schreibwaren heranzukommen, für das Unternehmen die Chance, Neuentwicklungen zu präsentieren – wie den Sicherheits-Schulranzen, der automatisch anfängt zu leuchten und zu blinken, wenn es dunkel ist und er bewegt wird. „In der deutsch-türkischen Europa-Schule in Kreuzberg haben wir schon Schultüten verteilt“, sagt de Filippo.

Herlitz hat gemeinsam mit Lehrern in Arbeitskreisen neue Produkte entwickelt. Schulstifte in „Dreikant“-Form etwa, die die Kleinen mit ihrem tolpatschigen „Pfötchengriff“ besser halten können. Die Idee, das Schüler-Namensschild auf einem Farbmalkasten doch oben auf dem Deckel anzubringen, stammt von einem Konsumenten – der Junge hatte sich an einem der Herlitz-Wettbewerbe beteiligt. Infos zu kindgerechten Schulutensilien, aber auch allgemeine pädagogische Tipps enthalten die Rundbriefe vom „Arbeitskreis Neue Erziehung (ANE)“ in Berlin, auch hier hat sich Herlitz als Förderer einen Namen gemacht. Als Mitglied des Arbeitskreises „Aqua Pro Natura“ der Papier herstellenden Industrie informiert Herlitz zudem über umweltverträgliche Produkte. Von den rund 25 mit Marketing-Aufgaben betrauten Mitarbeitern begannen zwei als studentische Praktikanten. De Filippo: „Zur Zeit schreiben drei Diplomanden ihre Uni-Arbeit bei uns.“ Ihre Marktstudien sparen dem Unternehmen Kosten – die Studenten wiederum sammeln Berufserfahrung. kög

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