Zeitung Heute : Fürstentreppe gegen bescheidene Stiege

Der Tagesspiegel

Köpenick. Das Schloss Köpenick ist eine große Baustelle. Nur Maurer, Installateure und Restauratoren haben Zutritt. Erst in einem Jahr und damit später als geplant wird der barocke Hohenzollernbau nach der Generalsanierung als „Museum der Raumkunst“ eröffnet. Die Verzögerung ergibt sich aus „unerwartet starken Beschädigungen der Bausubstanz und der stockenden Mittelzuweisung durch das Land Berlin“, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erklärt. Da ist es tröstlich, dass demnächst das Schlosscafé im Wirtschaftsflügel eröffnet wird.

Kurfürstliche Nobelherberge, Armeedepot, Gefängnis für „Demagogen“ in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bis 1926 Lehrerseminar, seit den sechziger Jahren Kunstgewerbemuseum – das 1677 bis 1681 auf älteren Burgmauern errichtete Schloss Köpenick hat schon viele Nutzer gesehen. „In den vergangenen 300 Jahren ist hier viel und oft auch recht unsensibel umgebaut worden, und wenn die Anlage als zweiter Standort des Kunstgewerbemuseums am Kulturforum eröffnet wird, werden die Besucher auch unbekannte Säle kennen lernen, die bisher als Depots genutzt wurden. Neu sind auch ein behindertengerechter Aufzug und ein als Kasse und Garderobe genutzter Raum zu ebener Erde“, erläutert Lothar Lambacher vom Kunstgewerbemuseums. In einem Raum wird das berühmte Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses aufgestellt. Eine weitere Neuerung ist die Wiedergewinnung der zweiläufigen Fürstentreppe an Stelle der eher bescheidenen Stiege. Künftig wird man über diese Treppe die Beletage mit den schönsten Sälen betreten. Hier werden 200 Jahre fürstliche und patrizische Raumkunst von der späten Renaissance bis zum Rokoko präsentiert. In edlem Interieur zeigt das Kunstgewerbemuseum kostbare Möbel, Tafelaufsätze, Gobelins, Vertäfelungen, Seidenbebespannungen. Auf Tischen und Kommoden werden Porzellane, Silbersachen, Zinngeschirr und Gläser angeordnet, so dass man einen Eindruck davon bekommt, wie die Fürsten speisten.

Höhepunkt dieser Inszenierung wird eine mit dem „Breslauer Porzellanservice“ Friedrichs des Großen bedeckte Tafel im Wappensaal sein. Die Bemalung der Teller und Terrinen korrespondiert mit den üppigen Wand- und Deckenstuckaturen, bei denen die Restauratoren schon Farbproben genommen haben. Es zeigt sich, dass der Saal nicht ganz so bunt bemalt war, wie er Besuchern noch in Erinnerung ist. Und so soll er, dezent und unaufdringlich, wieder hergestellt werden.

Wie bei einem Besuch auf der Baustelle zu erfahren ist, blieb von der originalen Substanz ungeachtet ruppigen Umgangs früherer Schlossbesitzer noch erstaunlich viel erhalten. Schwerer Stuck schmückt die Saaldecken, perückenbewehrte Porträts, gekrönte Monogramme und vielteilige Wappenschilder erinnern an den Bauherren und späteren ersten preußischen König Friedrich I. Angesichts des Seltenheitswerts dieser Raumausstattungen sind Restauratoren besonders gefordert. Die Diskussionen über die Frage, welche Fassung rekonstruiert werden soll, hatten zu den Verzögerungen in den Arbeitsabläufen geführt. Nun bekommen die regelrecht zugeschmierten Partien wieder ihre feingliedrigen Strukturen zurück. Zukunftsmusik ist noch, ob eine Anlegestelle an der Wasserseite des Prachtbaues eingerichtet wird. Von dort aus könnte man in Schiffen, wie in königlicher Zeit, zu anderen Hohenzollernschlössern fahren. Helmut Caspar

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