Zeitung Heute : Fußball, Fans, Fanatiker

Robert Ide

Nach Ausschreitungen deutscher Hooligans am Rande eines Fußball-Länderspiels hat Innenminister Schily den Hooligans verstärkt den Kampf angesagt. Was muss passieren, damit die WM 2006 friedlich verläuft?

So viel ist sicher: Zur Fußball-WM 2006 in Deutschland wollen sich die Sicherheitsbehörden völlig neu organisieren. Die Randale von Hooligans soll ebenso ausgeschlossen werden wie ein Terroranschlag. Deshalb werden alle Informationen der Sicherheitsdienste in einem „Nationalen Informations- und Kompetenzzentrum“ zusammenlaufen. Es wird im Berliner Stadtzentrum aufgebaut, in der Nähe des Bundesinnenministeriums.

Derzeit wird ein geheimes Sicherheitskonzept für die WM erstellt, es soll im Mai fertig sein. Nach Angaben aus Regierungskreisen beinhaltet es die Sperrung des Luftraums über vielen WM-Städten sowie eine Abschottung der Landesgrenzen für gewaltbereite Fußballfans. So wird im Innenministerium darüber nachgedacht, das Schengener Abkommen auszusetzen, das die Reisefreiheit innerhalb der EU gewährleistet. „Eine Entscheidung darüber machen wir von der Gefahrenlage abhängig“, heißt es dazu aus dem Hause Otto Schilys.

Rund um die Stadien werden zwei Sicherheitsringe gezogen. Nach dem Pflichtenheft des Fußball-Weltverbandes Fifa, das dem Tagesspiegel vorliegt, soll das Areal weiträumig mit einem „mindestens 2 Meter 50 hohen Zaun“ abgesperrt werden. Hinzu kommt ein innerer Sicherheitsring. Hier stehen Drehkreuze, die sich nur öffnen, wenn der Fan eine gültige Eintrittskarte mit integriertem Kontrollchip bei sich führt. Auch Ausweiskontrollen sind geplant – denn Karten sind nur gültig in Verbindung mit dem Personaldokument des Bestellers. In Organisationskreisen heißt es allerdings, dass es bei 3,4 Millionen Zuschauern nur Stichproben geben kann.

Probleme könnten sich entwickeln, wenn Hooligans aus anderen Ländern, die nicht an den Landesgrenzen aufgehalten werden, oder Hooligans aus Deutschland, die keine Meldeauflagen bekommen haben und sich deshalb frei bewegen können, in den Innenstädten Prügeleien anzetteln. Hier muss das WM-Sicherheitskonzept möglicherweise überarbeitet werden. „Wir prüfen das“, sagt Alfred Sengle, der Sicherheitschef des Deutschen Fußball-Bundes. Dabei dürfte vor allem interessant sein, wie Ausschreitungen in Städten wie Dresden oder Bochum verhindert werden sollen, in denen keine WM-Spiele stattfinden. „In vielen Städten werden Videoleinwände stehen“, sagt Gabriele Kautz, die Sprecherin des Bundesinnenministeriums. „Darum müssen wir auch dort sehr sensibel sein.“

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