Zeitung Heute : „Fußball sollte sein wie Jazz“

Nelly Furtado fiebert mit den Portugiesen – ihre persönlichen Lieblinge sind Cristiano Ronaldo und Figo. Als Portugal bei der letzten Europameisterschaft das Finale verloren hat, kurierte sie ihre Depressionen im Hotelzimmer. Ein kurzes Gespräch über die Frage, warum Fußball so romantisch ist.

-

Frau Furtado, Sie als ausgewiesene Fußball-Expertin …

Stopp! Bin ich gar nicht. Ich finde nur, dass Fußball wahnsinnig romantisch ist.

Romantisch?

Ja, klar: Beim Fußball geht es immer um große Gefühle und manchmal sogar um Leben und Tod! Diese ungezähmte Leidenschaft! Denken Sie beispielsweise an diesen armen kolumbianischen Spieler, der 1994 sein Leben lassen musste, weil er ein Eigentor geschossen hatte, Andres Escobar. Wahnsinn.

Und die grölenden Männer in den Kutten, finden Sie die auch romantisch?

Ehrlich gesagt, ich war noch nie auf der Tribüne, wo alle sitzen. Wenn ich zu einem Spiel gehe, werde ich immer gleich in einen Glaskasten gebracht, wo sie mir ein Drei-Gänge-Menü vorsetzen. Da wird selten gegrölt. Schade eigentlich.

Sie haben auch selbst Fußball gespielt.

Früher, in unserer Schulmannschaft. Ich war zuerst Stürmerin, dann Verteidigerin. Es hat Spaß gemacht, aber ich hatte auch ständig aufgeschlagene, blutige Knie und schmerzende Waden.

Ihr Lied „Força“ war die offizielle Hymne zur Europameisterschaft 2004 in Portugal …

Oh ja. Als ich vor kurzem bei den MTV-Awards war, habe ich Nuno Gomes getroffen, den Mittelstürmer von Benfica Lissabon. Er hat mir erzählt, dass sie immer noch vor jedem Spiel in der Kabine „Força“singen. Da würde ich gern mal dabei sein.

Hat er Sie nicht eingeladen?

Ich hab mich nicht getraut zu fragen.

Sie sind in Victoria, Kanada, als Kind portugiesischer Eltern geboren, die von den Azoren stammen. Zu welcher Mannschaft halten Sie?

Eigentlich habe ich zwei Mannschaften: Portugal und Brasilien – die Kanadier haben es fußballtechnisch nicht so weit gebracht. Ich bin ein großer Fan von Cristiano Ronaldo, auch von Luis Figo. Was die Deutschen angeht, vergöttere ich Dirk Nowitzki.

Der spielt Basketball.

Und wie! Er ist ein sensationeller Sportler, ich liebe die Mavericks. Nowitzki hat einen unglaublichen Körper. Für mich ist es unvorstellbar, wie man solche physischen Höchstleistungen vollbringen kann. Ich wünsche ihm für das Finale am Wochenende viel Glück.

Wissen Sie, welchen Song Nowitzki sich vor jedem Freiwurf vorsingt?

Lassen Sie mich raten: Irgendetwas aus dem Soundtrack von „Top Gun“?

„Mr. Jones“ von den Counting Crows.

Dieses Schalalalalala? Oje, das kann nicht sein! Hm. Für mich sind große Sportler echte Popstars. Ich himmele die an, wie übrigens auch den Produzenten Timbaland, mit dem ich für mein Album „Loose“ zusammengearbeitet habe.

Welche Musikrichtung passt am besten zu Fußball?

Guter Fußball sollte so abwechslungsreich sein wie Jazz.

Wer gewinnt?

Ob jemand gewinnt oder verliert, interessiert mich weniger. Obwohl, als Portugal das Finale der EM verloren hat, habe ich mich einen Tag lang in meinem Hotelzimmer eingeschlossen.

Die Fragen stellte E. Kogelboom

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben