Fußball-WM : Und es stinkt doch

Wenn die Fans aus Protest gegen eine Entscheidung wie die für Katar nicht mehr ins Stadion gingen, könnten sie das Kommunikationsmittel der Fifa schmälern: das Geld. Realistisch ist das nicht.

Der Fußball ist so stark, dass er auch die Wüste zum Leben bringen wird, 2022 in Katar. Die Welt wird sich in Katar verlieben, wie sie auch ihre Liebe zu Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2006 entdeckt hat. In den Stadien jubeln dann Araber neben Israelis. Katar – die große Weltenbrücke. Wunder und Sommermärchen hat es im Fußball schon gegeben, bald kommt ein Traum aus Tausendundeiner Nacht.

So soll man die Entscheidung des Fußball-Weltverbandes Fifa für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar verstehen. Das hätte die Fifa gerne. In Wirklichkeit hat die Fifa ihr eigenes Spiel verkauft.

Der Weltverband wirft den Fußball in die Glut. Bis zu 50 Grad kann es in den traditionellen WM-Monaten Juni und Juli in Katar heiß werden. Ihre Stadien werden die Katarer wohl noch herunterkühlen können, nicht aber ihr ganzes Land, wenn Fans von einem Spiel zum nächsten ziehen, von einer künstlich anmutenden Arena zur anderen, die nach der WM schnell wieder zurückgebaut wird.

Es gibt keine Fußballkultur in Katar, vor der sich die Fifa verneigen müsste. Der Sport ist dort ein elitäres Spielzeug. Die Fifa verbeugt sich vor den Scheichs. Und vieles deutet darauf hin, dass es eine abgekartete Entscheidung war, auf die Fifa-Präsident Joseph Blatter lange hingearbeitet hatte. Misstrauen kam schon beim Beschluss der Fifa auf, zum ersten Mal zwei WM-Turniere auf einmal zu vergeben. Nach mehreren Korruptionsskandalen hat die Fifa nun mit einer erschreckenden Leichtigkeit eine absurde Wahl getroffen. Offenbar ohne Furcht vor der öffentlichen Reaktion.

Ebenso wie das IOC, das Internationale Olympische Komitee, hängt sich die Fifa den Mantel der Gutherzigkeit um. Wer einen Konzern leitet, will damit Geld verdienen. Wer einem Sportverband vorsitzt, gibt immer noch vor, die Werte Fairness, Toleranz und Respekt rund um den Globus zu verbreiten. Das erhöht den Marktwert des Sports.

Eigentlich ist das Votum für Katar nur konsequent. Es entspricht der Logik des Weltsports. Es geht um neue Märkte. Die versprechen zusätzliche Einnahmen. England wird schon nicht den Spielbetrieb einstellen, weil es die WM trotz der besten Bewerbung nicht bekommen hat.

Die wenigsten der 24 Mitglieder der Fifa-Exekutive werden die Kritik an ihrem Handeln verstehen können. Sie kommen teilweise aus Ländern, in denen demokratische Spielregeln nicht eingeübt wurden. Sie treffen Entscheidungen, bei denen Milliarden bewegt werden und die politische Auswirkungen haben, ohne sich vor einem Parlament oder einer Aktionärsversammlung rechtfertigen zu müssen. Die Fifa und das IOC kontrollieren sich weitgehend selbst. In autoritär regierten Staaten fühlen sie sich mit ihren Veranstaltungen daher besonders wohl.

Getroffen werden kann der populärste Sport nur durch die Masse. Nach dem nicht gegebenen Tor der Engländer gegen die Deutschen bei der WM in Südafrika und dem weltweiten Aufschrei über die Altherrenriege Fifa stellte sich Blatter auf einmal an die Spitze der Reformbewegung und kündigte neue Regeln an. Eine Flucht in den Populismus.

Wenn die Fans aus Protest gegen eine Entscheidung wie die für Katar nicht mehr ins Stadion gingen und kein Pay-TV mehr abonnierten, könnten sie das Kommunikationsmittel der Fifa schmälern: das Geld. Realistisch ist das nicht, denn das Gefühl für den Moment ist im Fußball zu stark. Bloß nichts verpassen. Das nächste Spiel kann immer das spannendste sein.

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