• „Fußballer sind abergläubisch“ Jack White sang 1974 mit der Deutschen Nationalmannschaft „Fußball ist unser Leben“.

Zeitung Heute : „Fußballer sind abergläubisch“ Jack White sang 1974 mit der Deutschen Nationalmannschaft „Fußball ist unser Leben“.

Zu gerne hätte er auch 2006 wieder mit der Nationalelf geträllert, Jürgen Klinsmann wusste das zu verhindern. Die Welt ist dankbar, Jack White hingegen ist ihm immer noch gram – zu Deutschland hält er allerdings trotzdem.

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Jack White, kann es denn wahr sein? Es ist WM in Deutschland, und Sie sind erst einmal zwei Wochen in Urlaub gefahren?

Nein, das war Zufall. Der Urlaub war schon seit längerem geplant.

Sie sind also kein WM-Muffel?

Absolut nicht. Wir hatten in Frankreich einen Fernseher, auf dem ich dann die Spiele verfolgt habe. Ich freue mich sehr über die WM.

Noch sauer, dass es nichts mit einem Lied mit der Nationalmannschaft wurde ?

Ich war ja damals scharf auf den offiziellen Fifa-Song. Mit Franz Beckenbauer saß ich seinerzeit in Kitzbühel, Franz hat zum Telefon gegriffen und den Wolfgang Niersbach angerufen. Wolfgang meinte, dass der Song nicht aus Deutschland kommen soll, sondern in Schweden produziert werde.

Da haben Sie aufgegeben?

Keineswegs. Ich habe Oliver Bierhoff angerufen, aber vergeblich. Klinsmann wollte kein Lied mit dem Team. Finde ich sehr, sehr schade. Denn Fußballer sind ziemlich abergläubisch. 1974 wurde Deutschland im eigenen Land Weltmeister. Da gab es „Fußball ist unser Leben“.

Lieder für die Nationalelf gibt es trotzdem reichlich.

Grönemeyer zum Beispiel. Nur vorweg: Ich bin ein riesiger Fan von ihm. Ich bewundere seine Arbeiten. Mit dem Song „Mensch“ hat er deutsche Musikgeschichte geschrieben. Aber das Ding hätte er sich sparen können. Mit Fußball hat das nicht sehr viel zu tun.

Was hätte er anders machen müssen?

Es muss mitsingbar, fröhlich und tanzbar sein. Ricky Martin hat das vor acht Jahren vorgemacht. Und nicht vergessen: Das Lied muss auf Deutsch sein. Denn die meisten deutschen Fußballfans können ja die englischen Texte nicht verstehen.

Uns fehlt ja immer die gepflegte Portion Selbstironie. Muss man sich heutzutage nicht ein bisschen mehr auf den Arm nehmen, wie das 1996 die Lightning Seeds getan haben?

Das kenne ich gar nicht, dieses Lied. Aber ich sage immer: Ein Hit ist ein Hit. Da braucht man nichts wie das, was Sie gerade angedeutet haben. Die Leute müssen es sofort aufnehmen. Das ist das ganze Geheimnis. Toll ist, wenn es auch noch tanzbar ist.

Bohren wir noch einmal nach. Es heißt, Sie seien wegen des ausgefallenen Liedes nicht gut auf Jürgen Klinsmann zu sprechen.

Das stimmt, aber nicht nur aus diesem Grund. Da gab es einige Sachen, die mich sehr gestört haben in der Vergangenheit.

Die da wären?

Ach, da gab es so vieles. Nehmen Sie doch nur allein diesen Eklat, als die Trainer dieser Welt sich getroffen haben, und Mister Klinsmann glänzt durch Abwesenheit. Dann die radikale Verjüngung der Mannschaft in so kurzer Zeit. Man braucht gestandene Spieler, Korsettstangen wie Beckenbauer oder Matthäus. Ein Ballack ist kein Führungsspieler.

Leute wie Schweinsteiger oder Podolski schlagen sich doch prächtig.

Natürlich. Aber man braucht gestandene Männer. Was passiert denn, wenn diese Mannschaft gegen Argentinien antreten muss?

Bei welchem Team geht Ihr Herz auf?

Natürlich bei Deutschland. Aber ich mag einfach diesen Ronaldinho so gerne spielen sehen. Da werde ich fast schwach. Das erinnert mich an eine Geschichte mit Franz Beckenbauer: Vor einem WM-Finale, ich weiß nicht mehr, ob es 1986 oder 1990 war, sagte der Franz zu mir: „Ich weiß, ich muss Lothar auf Maradona ansetzen. Er ist der Einzige, der ihn kaltstellen kann. Aber ich tue das ungern, weil ich den Maradona so bewundere.“ Was Maradona der Fußballwelt gegeben hat, gibt ihr heute Ronaldinho.

Das Gespräch führte Ozan Sakar.

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