GADDAFI IM TAGESSPIEGEL-INTERVIEW : „Es ist ein wahres Wort“

Im Jahr 2000 hatte Muammar al Gaddafi noch ein Gespür für Wandel. Vermeintlich zumindest. Denn im Interview mit dem Tagesspiegel antwortete er damals, lachend, auf die Frage, ob er die Worte von Gorbatschow: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ kenne, mit dem Satz: „Es ist ein wahres Wort.“ Nun ganz so ernst scheint er diese Wahrheit nicht genommen zu haben, wenn man sich die aktuellen Entwicklungen in Libyen anschaut. Das betrifft auch seine Einlassungen zum Thema Terrorismus. Dem habe er abgeschworen, weil die Gründe dafür entfallen seien. „Früher gab es Befreiungsbewegungen auf der ganzen Welt, es war eine Phase der bewaffneten Konfrontation. In Nicaragua etwa musste der Kampf um die Macht mit Waffen ausgetragen werden, heute gibt es Wahlen.“ Um Freundschaft mit Europa war er bemüht. Nur mit den Franzosen hatte er es nicht so. „Frankreich bemüht sich auf diesem Gebiet sehr, aber es hat Pech: Egal, was es vorhat, immer entstehen politische Probleme“, sagte er. Das Interview führte der damalige Chefredakteur, heutige Herausgeber des Tagesspiegel und „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo – aber unter erschwerten Bedingungen. Der erste Termin platzte, weil der damalige Palästinenserführer Arafat unerwartet Libyen besuchte. Am nächsten Tag lief es besser. Gaddafi empfing di Lorenzo auf einem Plastik-Gartenstuhl in einem weißen Zelt unweit des ehemaligen Wohnhauses von Gaddafi. Dieses wurde bei einem US-Luftangriff 1986 getroffen und als Ruine zum nationalen Denkmal. Auf dem Weg zurück ins Zentrum von Tripolis wollte der Fahrer eine Abkürzung nehmen, was die Sicherheitskräfte nervös werden ließ. Von vermintem Gelände war plötzlich die Rede. Aber nur, weil es Gaddafi verabscheue, wenn man Wiesen beschädige. Tsp

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