GADDAFIS FAMILIE : Stützen des Machtapparats

Tochter Aischa
Tochter AischaFoto: REUTERS

Libyens Diktator hat acht Kinder – einen Sohn mit seiner ersten Frau Fathia Khaled sowie sechs Söhne und eine Tochter mit der zweiten Frau Safia Farkash. Mohammed, der Spross aus erster Ehe, ist von Beruf Ingenieur. Er kontrolliert 40 Prozent des libyschen Ablegers von Coca Cola. Gleichzeitig ist er Vorsitzender der staatlichen Post- und Telekommunikationsgesellschaft und verantwortlich für die seit Wochen andauernde Kappung von Internet und Mobilfunknetzen im Land.

Der zweite Sohn Saif al Islam wurde 1972 geboren und studierte Architektur. Er galt lange als das weltoffene Aushängeschild des Regimes. Nach Beginn des Aufstands stellte er sich jedoch bedingungslos hinter seinen Vater, bezeichnete die Protestierer als Terroristen und kündigte einen Kampf bis zum letzten Blutstropfen an. Saif studierte unter anderem in Wien und promovierte an der „London School of Economics“ über „Kriterien für gute Regierungsarbeit“.

Sohn Al Saadi, geboren 1973, war Profifußballer, gleichzeitig berüchtigt für seine Alkohol- und Drogenexzesse. Zunächst spielte er aktiv in zwei libyschen Vereinen. Zwischen 2003 und 2007 gehörte er zum Kader dreier italienischer Fußballclubs, bei denen er jedoch nur zweimal zum Einsatz kam. Gegen die Rebellen im Osten Libyens befehligt Saadi eine der Eliteeinheiten des Regimes.

Mutassim studierte Medizin und wurde in Ägypten zum Offizier ausgebildet. 1975 geboren, gilt er als der wichtigste Sicherheitsberater seines Vaters und befehligt eine eigene Elitetruppe. Für diese verlangte er zuletzt laut Wikileaks ein Budget von 1,2 Milliarden Dollar aus den Öleinnahmen Libyens.

Die einzige Tochter Aischa kam 1976 zur Welt. Sie studierte Jura in Tripolis, promovierte später in Paris und gehörte zu einem Team von arabischen Rechtsanwälten, die den gestürzten irakischen Diktator Saddam Hussein in seinem Prozess verteidigen wollten. Mehrfach schon trat sie in Gaddafis hoch gesichertem Kasernenkomplex Bab al Azizia auf, um an der Spitze von Regimetreuen Slogans gegen den Nato-Einsatz zu skandieren.

Der 1977 geborene Hannibal kontrolliert die libysche Seefahrtsbehörde, die sämtliche Öltransporte des Landes abwickelt. Er wurde 2008 für kurze Zeit in der Schweiz verhaftet, nachdem ihn zwei seiner Hausangestellten wegen Körperverletzung angezeigt hatten. Der Vorgang löste eine erbitterte diplomatische Kontroverse aus.

Der zweitjüngste Sohn Khamis, geboren 1980, ist Offizier und Befehlshaber der berüchtigten 32. Brigade, die in Bengasi stationiert war und von ihrem Hauptquartier, der Katiba, aus die Bevölkerung tyrannisierte. Nach unbestätigten Meldungen starb er am 20. März an schweren Verbrennungen, nachdem sich ein libyscher Jetpilot in einem Kamikaze- Angriff auf sein Haus gestürzt hatte.

Der am Sonntag nach Angaben der libyschen Führung getötete Saif al Arab verbrachte die letzten Jahre in München, wo er offiziell an der TU Medizin studierte. Der 29-Jährige hatte den Ruf eines Partylöwen und lebte zuletzt in einer luxuriösen Villa in Waldperlach. In Deutschland kam er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt – unter anderem wegen Fahrens ohne Führerschein und Trunkenheit am Steuer. Es gab Kritik, dass die Justiz zu nachsichtig mit ihm umgegangen sei. Nach Beginn der Unruhen kehrte er Ende Februar nach Tripolis zurück. Martin Gehlen

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