Zeitung Heute : Gafrons Erbe

Der Tagesspiegel

TV.Berlin hat am Mittwoch beim Amtsgericht Berlin einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Überschuldung und mangelnde Liquidität sind die Gründe. Der Sendebetrieb von TV.Berlin gehe aber weiter, sagte die Sprecherin Simone Langkabel. Der seit Georg Gafrons Abgang alleinige Geschäftsführer Christian Böhmer werde weiterhin verstärkt Investoren für TV.Berlin suchen. Das Ballungsraumfernsehen mit 100 festen Mitarbeitern gehört zu 100 Prozent Thomas Kirch, dem Sohn von Leo Kirch, und ist wie die Lokalsender TV.München und Hamburg-1 Teil der Kirch Beteiligungs GmbH & Co. KG. Die beiden TV-Stationen in Hamburg und in München haben jedoch keinen Antrag auf Insolvenz gestellt. Christian Böhmer, Geschäftsführer der drei Sender, begründete die unterschiedliche Situation damit, dass „wir für Hamburg-1 und TV.München in Verhandlungen mit möglichen Investoren stehen. Das ist bei TV.Berlin nicht so“, sagte Böhmer.

Diese TV-Station hatte bis Dienstag zwei Geschäftsführer: Böhmer und Georg Gafron. Da Gafron nun gegangen ist, entsteht im Sender neue Hoffnung auf einen Investor. Laut Böhmer muss das Amtsgericht jetzt einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen, der zusammen mit der Geschäftsführung nach neuen Kapitalgebern sucht. Misslingt dies, wird die Insolvenz eröffnet.

Landesmedienanstalt prüft Hundert,6

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat am Mittwoch Post bekommen. Absender ist die Radio Hundert,6 Medien GmbH in Person der Geschäftsführer Thomas Thimme und Wolfgang Eitzen. Nach Angaben von MABB-Justiziarin Ingeborg Zahrnt hat die Power Radio GmbH von Thimme und Norbert Schmidt den beabsichtigten Erwerb von 40 Prozent an der Hundert,6 Medien GmbH angezeigt, die bisher zu 100 Prozent Thomas Kirch gehört. Der Medienrat wird sich mit der Übertragung des 40-Prozent-Anteils am Freitag beschäftigen. Im Vordergrund steht die Frage, ob mit dem Teilerwerb nicht faktisch eine Übertragung der Sendelizenz an die Power Radio GmbH verbunden ist. Zugleich sollen die Eigentumsverhältnisse des neuen Gesellschafters überprüft werden. Kommt der Medienrat zu dem Schluss, dass Power Radio mit ihren 40 Prozent einen beherrschenden Einfluss auf die Hundert,6 GmbH ausüben wird, dann ist eine Neuausschreibung der Sendelizenz sehr wahrscheinlich. „Dies würde einen offenen Wettbewerb zwischen den interessierten Veranstaltern bedeuten“, sagt Zahrnt. Ob Hundert,6 während der Neuausschreibung seinen Betrieb fortsetzen kann, muss der Medienrat entscheiden. Joachim Huber

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