GALLERY WEEKENDMichel Majerus : Zu Gast bei einem Mythos

„Papst Paul bestätigt: King Kong ist der Weihnachtsmann“. So steht es auf einem Kunstwerk des im Alter von 35 Jahren ums Leben gekommenen Michel Majerus (unsere Abbildung zeigt einen Ausschnitt). King Kong sitzt mit Nikolausmütze auf dem World Trade Center. Dabei handelt es sich um ein Titelblatt des Satire-Magazins „Pardon“, das Majerus vergrößert und bearbeitet hat. Wegen dieser furchtlosen Mischung aus Zitaten, Abstraktion, Farbfeldern, Comics, Kitsch, Kommerz und Blödsinn wurde dem luxemburgischen Künstler, der so perfekt das kreative Laissez-Faire der Berliner Kunstszene der späten neunziger Jahre verkörperte, viel Lob zuteil. Die biografische Tragik, sein früher Tod durch einen Flugzeugabsturz im Jahr 2002, tut ein übriges.

Majerus’ ehemaliges Atelier liegt in Prenzlauer Berg, dort hat er seine verrückten Ideen skizziert, dort hat er gemalt. Die Räume sollen künftig für Ausstellungen und Veranstaltungen rund ums Majerus-Universum zur Verfügung stehen. Zum Gallery Weekend, an dem viele Berliner Galerien lange Öffnungszeiten haben und potente Sammler in der Hauptstadt zu Gast sind, findet im Michel Majerus Estate eine Ausstellung statt, die von dem Londoner Galeristen und Majerus-Unterstützer Charles Asprey kuratiert wurde. Asprey hat neben dem eingangs erwähnten Werk „Pathfinder“ die „Pressure groups“-Bilder ausgewählt, Farbfeldmalerei à la Frank Stella, vor allem aber bisher nicht gezeigte Werke aus Majerus’ Kunsthochschulzeit. Zwischen 1986 und 1992 studierte Majerus an der Stuttgarter Kunstakademie beim Informel-Künstler K.R.H. Sonderborg und beim Konzeptkünstler Joseph Kosuth. Birgit Rieger

Michel Majerus Estate, Knaackstr. 12, Do 25.4. bis 28.4., 11 -19 Uhr

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