GANGSTERKOMÖDIE„Brügge sehen ... und sterben?“ : Blut, Flüche und Pommes

Daniela Sannwald

Zwei Dubliner Auftragskiller zur Weihnachtszeit in Brügge: Die Stadt mit ihren mittelalterlichen Gebäuden ist festlich geschmückt und beleuchtet, den beiden Männern bietet sie ein unfreiwilliges Exil. Der jüngere, Ray (Colin Farrell, rechts), hat bei seinem ersten Auftrag versehentlich einen kleinen Jungen erschossen. Daher hat ihr Chef (Ralph Fiennes) ihn erst einmal aus dem Weg geräumt und den älteren und besonneneren Kollegen Ken (Brendan Gleeson) als Aufpasser mitgegeben. Ray hasst Brügge vom ersten Moment an, während Ken mit dem Reiseführer in der Hand Kirchen, Museen und die Aussicht vom Rathausturm bewundert. Man müsse, so findet er, vor der Rückfahrt ein bisschen Zeit verstreichen lassen, und die könne man ebenso gut genießen. Ray ist an Kultur und Bildung nicht im mindesten interessiert, aber als er die Dealerin Chloé und einen kleinwüchsigen Schauspieler kennen lernt, kann er dem Warten dann doch etwas abgewinnen. Doch der Boss hat einen ganz anderen Plan.

Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine mit raubeinigen Dialogen kaschierte Freundschaft; mit seiner heiteren Gelassenheit wirkt Ken beruhigend auf den cholerischen und aggressiven Ray, den er sogar davon überzeugen kann auszusteigen und woanders ein neues Leben zu beginnen. Aber das passt Harry nicht, der höchstpersönlich aus Dublin anreist, um die Sache zu regeln.

Brügge fungiert als ein märchenhafter, zeitloser Ort, vor dessen Hintergrund sich die Beziehung der Männer zueinander entwickelt. Mitunter wirken sie beinahe glücklich und können ihren fiesen Beruf für eine Weile vergessen. Der von Brendan Gleeson mit Würde und Freundlichkeit verkörperte Ken ist so sympathisch, dass man sich dabei erwischt, ihm alles Gute zu wünschen, weil man ebenfalls seine Profession vergisst. Aber Frauen, Schwule und Zwerge kommen in der düsteren Gangsterkomödie nicht gut weg, wohl weil man in Killerkreisen nicht allzu viel von politischer Korrektheit hält. So ist „Brügge sehen ... und sterben?“ auch ein ziemlich ordinärer Film, vielleicht sogar authentisch, aber eigentlich will man es gar nicht so genau wissen. Vielleicht liegt aber gerade darin seine Stärke: in der sehr sorgfältigen Schilderung eines Milieus, das, obwohl unzählige Male thematisiert, ausgesprochen exotisch ist. Tragikomisches Buddy-Movie voller Blut und Flüche. Daniela Sannwald

„Brügge sehen ... und sterben?“, GB/B 2008,

105 Min., R: Martin McDonagh, D: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes

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