Zeitung Heute : Ganz neuer Auftritt

Cordula Eubel

CDA-Chef Hermann-Josef Arentz ist bei den Vorstandswahlen der CDU durchgefallen. Was bedeutet der Wechsel zu Ursula von der Leyen für die Partei?

Sie war die Überraschung des Parteitags: Die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen ersetzt Hermann-Josef Arentz in der Parteiführung. Der Vorsitzende der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) war über seinen Vertrag mit dem Energiekonzern RWE gestolpert. Ein Arbeitnehmervertreter, der 60 000 Euro im Jahr kassiert, ohne dafür besonders viel tun zu müssen? Das straften die Delegierten deutlich ab, Arentz verpasste am Montagabend den Wiedereinzug ins Präsidium.

Durch das Ausscheiden von Arentz wird der soziale Flügel aber nicht automatisch geschwächt. Zum einen ist mit dem stellvertretenden CDA-Chef und Bundestagsabgeordneten Karl-Josef Laumann ein prominenter Vertreter des Arbeitnehmerlagers neu in die Führungsspitze gewählt worden – und zwar mit überraschend breiter Unterstützung durch die Delegierten. Zum anderen könnte auch von der Leyen dazu beitragen, das soziale Gesicht der CDU zu stärken.

Die 46-Jährige ist seit 2003 Sozialministerin im Kabinett des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Von der Leyen wird im Präsidium mit Sicherheit Merkels Reformkurs stärken. Die Tochter des früheren Ministerpräsidenten Ernst Albrecht ist eine energische Verfechterin der Gesundheitsprämie. Im Unterschied zu vielen anderen in der CDU gelingt es ihr aber, ihre Argumente für einen Umbau des Krankenversicherungssystems verständlich zu erklären. Ein anerkennendes Raunen ging durch die Delegierten, als von der Leyen sich vorstellte: Sie ist Mutter von sieben Kindern. Das gefällt in der CDU, die Frauen braucht, die das Thema Familie glaubhaft ins Zentrum rücken können. Das CDU-Präsidium kann nach ihrer Wahl übrigens eine Kinderzahl ausweisen, die weit über dem traurigen deutschen Durchschnitt liegt. Von der Leyen repräsentiert in ihrer Person, was der CDU nur von wenigen Frauen abgenommen wird: Beruf und Familie sollen vereinbar sein. Die Ärztin, die auf dem Parteitag mit 94 Prozent die meisten Stimmen bei den Wahlen erhielt, kann von einem Moment auf den anderen ein strahlendes Lächeln anknipsen, dem viele sich nur schwer entziehen können. Sie kann aber auch unbequem werden. Das hat sie in diesem Sommer in der Landespolitik bewiesen, als sie sich mit den Kieferorthopäden in Niedersachsen anlegte, die sich aus ihrer Sicht nicht fair gegenüber den Patienten verhalten hatten. Dass von der Leyen als Unterstützerin von CDU-Chefin Angela Merkel gilt, ist nur eine Seite der Medaille. Die CDU-Politikerin ist zugleich loyal gegenüber ihrem Ministerpräsidenten Wulff, dem steilen Aufsteiger in den Reihen hinter Merkel.

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