Zeitung Heute : Ganz schön harmonisch

Der Tagesspiegel

Deutschland ist im Vergleich mit anderen Industriestaaten nach den jüngsten Statistiken noch immer ein Hort des sozialen Friedens. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Mittwoch in Köln mitteilte, gingen in den neunziger Jahren nur elf Arbeitstage je 1000 Beschäftigten wegen Streik verloren. Damit gehörte die Bundesrepublik zwischen 1991 und 2000 weltweit zu den Ländern mit den geringsten arbeitskampfbedingten Ausfällen.

Laut IW standen mit zwei und drei beziehungsweise vier Ausfalltagen je 1000 Arbeitnehmer nur die Schweiz, Japan und Österreich besser da als die Deutschen. Spitzenreiter ist das kleine Island mit 399 verlorenen Tagen vor Spanien mit 327. Auch in Frankreich und den USA hatten die Unternehmen mit 77 beziehungsweise 51 Ausfalltagen weit mehr unter Arbeitskämpfen zu leiden als die deutschen Betriebe.

Das IW befürchtet jedoch, dass die lange Phase friedlicher Koexistenz von Arbeitgebern und Gewerkschaften wegen des Tarifkonflikts in der Metallindustrie bald vorüber sein könnte. Der letzte große Streik in Deutschland liegt bereits mehr als fünf Jahre zurück: 1996 legten rund 100 000 Angestellte des westdeutschen Einzelhandels die Arbeit nieder, um gegen verlängerte Ladenöffnungszeiten zu protestieren. Tsp

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