Zeitung Heute : Ganz weit oben

Die Bundesregierung will Fluglinien beim Klimaschutz in die Pflicht nehmen. Wie teuer wird reisen dadurch?

Dagmar Dehmer Albrecht Meier

Der Flugverkehr trägt bisher mit etwa 3,5 Prozent zum weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen bei. Allerdings wächst dieser Anteil schnell – nach Angaben der EU-Kommission um 87 Prozent seit 1990. Das Statische Bundesamt hat berechnet, dass die Zahl der von Deutschland ins Ausland fliegenden Passagiere im vergangenen Jahr um 5,7 Prozent gestiegen ist. Die weltweiten jährlichen Wachstumsraten liegen bei rund vier Prozent. Bei diesem Tempo würde sich das Aufkommen bis etwa 2020 verdoppeln. Dann hätte der gesamte Flugverkehr denselben Anteil am Ausstoß von Klimagasen wie die gesamte deutsche Volkswirtschaft.

Das Argument der Branche, der Anteil am Klimaproblem sei nur klein, ist angesichts dieser Zahlen dürftig. Zumal es eine große Rolle spielt, in welchem Abstand zur Erde die Emissionen ausgestoßen werden. In großer Höhe nimmt die Treibhauswirkung von Kohlendioxid (CO2) zu. Das ist aber nicht der einzige Beitrag der Flugzeuge zum Klimawandel. Kondensstreifen, also Wasserdampf, wirken ebenfalls als Treiber der Erderwärmung. Zudem bilden die emittierten Stickoxide in großer Höhe Ozon, das als starkes Treibhausgas wirkt. Nach dem bisherigen Stand der Forschung ist die Treibhauswirkung von Flugzeugabgasen dreimal höher als von Gasen, die auf der Erde emittiert werden.

Kein Wunder, dass über einen Beitrag des Luftverkehrs zum Klimaschutz diskutiert wird. Zur Debatte steht eine Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel. Das hat die EU-Kommission bereits vorgeschlagen. Danach sollen für Flüge innerhalb der Europäischen Union von 2011 an Emissionszertifikate ausgegeben werden – ein Jahr später soll das für alle Flüge von oder zu europäischen Flughäfen gelten.

Peter Liese, der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, begrüßt den Richtlinienvorschlag der EU-Kommission. Allerdings spricht sich der CDU-Politiker dafür aus, entgegen dem Vorschlag der Brüsseler Behörde schon ab Januar 2011 sämtliche Flüge in den Emissionshandel aufzunehmen. Er wolle „mit großem Nachdruck verfolgen, dass auch die Flüge in die USA mit einbezogen werden“, sagt Liese. Über die Details wird ohnehin noch gestritten. Denn wie diese Einbeziehung aussehen soll, ist noch völlig offen. Klar ist nur, dass die deutsche EU-Ratspräsidentschaft den Vorschlag der Kommission unterstützt und auf dem Gipfel Ende dieser Woche eine Grundsatzentscheidung herbeiführen will.

Wie groß der Beitrag des Flugverkehrs zum Klimaschutz sein wird, hängt vor allem von den Mechanismen des Emissionshandels ab. Offen ist, ob es ein geschlossenes System geben wird, in dem nur die Fluggesellschaften miteinander Emissionsrechte handeln können oder ob es an den bestehenden Handel angeschlossen wird. Dann könnte eine Airline Zertifikate von einem Energiekonzern kaufen – oder umgekehrt, falls eine Fluglinie besonders effiziente Flugzeuge einsetzt. Die EU-Kommission rechnet jedenfalls nicht damit, dass die Preise für Flugreisen deshalb dramatisch steigen: innerhalb Europas zwischen 1,80 und neun Euro. Für Flüge in die USA oder nach Asien würden höhere Zuschläge fällig, die jedoch nach Ansicht der Fachleute in Brüssel unter den Aufschlägen liegen würden, die Fluggesellschaften in den vergangenen Jahren wegen steigender Ölpreise verlangt haben. Bei einem Zertifikatspreis von aktuell etwa einem Euro pro Tonne CO2 läge der Aufpreis für einen Flug nach Costa Rica bei lächerlichen drei Euro. Sollte der Preis auf 30 Euro steigen – da stand er schon mal – läge der Zuschlag für ein Ticket nach Costa Rica bei etwa 90 Euro.

Doch nicht nur der Emissionshandel könnte Flugtickets zugunsten des Klimaschutzes verteuern, eine Einführung von Kerosinsteuern könnte noch dazukommen. Am Montag haben Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und der Tourismusbeauftragte der Regierung, Ernst Hinsken (CSU) das Ende der Steuerbefreiung für den Flugverkehr gefordert. Allerdings ist diese Debatte so alt wie wirkungslos. Bisherige Versuche scheiterten stets daran, dass die USA sich weigerten, eine Kerosinsteuer einzuführen. Das aber hält Hinsken für eine Wettbewerbsverzerrung. Fürs Klima könnte die EU aber den Anfang machen, sagte der frühere Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer. Die EU müsse „Führungsstärke zeigen“.

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