Zeitung Heute : Garant für Stabilität

Das Chaos bleibt aus, glauben Berliner Außenpolitiker – weil Zoran Djindjic Zeichen gesetzt hat

Hans Monath

Auch für die deutsche Politik war Zoran Djindjic ein sehr wichtiger Partner – und einer, mit dem Politiker aus Berlin gern zusammenarbeiteten. Noch vor zehn Tagen etwa waren die SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen und Christoph Zöpel mit dem serbischen Ministerpräsidenten in dessen Amtssitz in Belgrad zusammengetroffen. „Er war gut drauf, optimistisch und klar“, sagte am Mittwoch der sichtlich betroffene Christoph Zöpel.

Der persönliche Einfluss des perfekt Deutsch sprechenden Politikers auf die Entwicklung seines Landes wurde auch in Berlin als sehr hoch angesehen. „Für die Stabilität war er der politische Garant“, urteilt etwa Weisskirchen. Mit Djindjic hatten die SPD-Politiker unter anderem darüber gesprochen, wie dessen Demokratische Partei Vollmitglied in der Gemeinschaft sozialdemokratischer Parteien („Sozialistische Internationale“) werden könnte.

Anders als Balkan-Experten, die nach dem Mord auch eine Entwicklung zum Chaos für möglich halten, sehen Berliner Außenpolitiker die Stabilität des Entwicklungsprozesses weg von der Diktatur nicht gefährdet. Zwar kann sich etwa SPD-Mann Zöpel nicht vorstellen, welcher Politiker als Nachfolger Djindjics in der Lage sein könnte, in Serbien „die linke Mitte zusammenzuhalten“. Doch sein Parteikollege Weisskirchen sagt, er habe „keine Angst, dass dieser Schlag die Demokratie zerstören wird“. Das Beispiel des Politikers habe „viele ermutigt, die junge Demokratie in Serbien zu stützen und zu stärken“, sagt der SPD-Politiker: „Es gibt Menschen, die das mutige Zeichen, das er gegeben hat, aufnehmen und fortsetzen werden.“

Auch die erste Stellungnahme von Außenminister Joschka Fischer war deutlich von dem Bemühen geprägt, die positive Entwicklung zu stärken und nicht etwa durch die Beschwörung von Gefahren eine mögliche Destabilisierung herbeizureden. Mit Blick auf die Demokratisierung sagte Fischer, der Mord dürfe „unter keinen Umständen diesen Prozess beeinträchtigen“.

Bei der Formulierung und Umsetzung des EU-Stabilitätspakts für die Region spielt Berlin eine führende Rolle – auch in finanzieller Hinsicht. Freilich verlangte etwa Zöpel, die EU solle nicht nur die demokratischen Parteien in Serbien-Montenegro weiter stärken, sondern „gleichzeitig sensibel sein und die Menschen in Serbien nicht überfordern“. Auch die Abwicklung von EU-Hilfsgeldern sollte nach Meinung des ehemaligen Staatsministers im Auswärtigen Amt zügiger erfolgen, um die Wirtschaft des Landes zu stärken.

Auf die deutschen Soldaten, die gegenwärtig auf dem Balkan im Kosovo, in Bosnien-Herzegowina und in Mazedonien stationiert sind, sieht der Außenpolitiker Zöpel durch den Mord keine neue Gefahren zukommen. Aber auch in der Bundesregierung dürfte man sich darüber im Klaren sein, dass eine dauerhafte Lösung für das Kosovo mit dem Mord wieder in weitere Ferne gerückt ist.

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