Zeitung Heute : Garantiert gewaltfrei

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Von Simone Leinkauf

Die derzeitige Diskussion um Gewalt in den Medien hat mit der Realität nicht immer etwas zu tun. Auch wenn inzwischen der Eindruck entsteht, alle Computerspiele leben nur noch von der Gewalt, so galt und gilt das für einen Bereich glücklicherweise nicht: Die Programme für Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren zeigen schon seit langem, dass Spannung nicht zwangsläufig mit Brutalität einhergehen muss. Dieser Trend setzt sich auch in diesem Jahr fort.

Einen gewissen Vertrauensvorschuss genießen bei den Eltern, die die Spiele in aller Regel kaufen, jene Titel, die aus dem Kinderbuchbereich oder dem Fernsehen bekannt sind. Die Biene Maja war schließlich schon vor 20 Jahren ein Renner und bei dem kleinen langhaarigen Wickie geraten Mütter und Väter noch heute ins Schwärmen. Spätestens wenn der jeweilige Charakter im Kinderkanal tobt, ist auch der Nachwuchs von diesen Figuren begeistert. Das hat beim „Bär im großen blauen Haus“ (Jim Henson interactive, ab 3 Jahre, 24 Euro 95), bei Wickie und der Biene Maja (beide Tivola, je 25 Euro) geklappt und wird sicherlich auch beim Hasen Felix gelingen.

Parallel zur Ausstrahlung auf dem Kinderkanal kommt Coppenrath mit der ersten CD-ROM des abenteuerlustigen kleinen Hasens auf den Markt. Die Briefe, die Felix an seine Freundin Sophie und den kleinen Spieler verschickt, sind in Sophies Zimmer versteckt und müssen erst einmal gefunden werden. Und dann geht’s mit Felix in das jeweilige Land, wo verschiedene Aufgaben wie Eisangeln, Insektenspucken, ein Geräusche-Memory und ein Lasso-Spiel warten. Ganz nebenbei erfährt man etwas über chinesische Sternzeichen oder Elfen in Island. In einem Reisetagebuch, das der Spieler hinterher ausdrucken kann, werden die gemeinsamen Abenteuer niedergeschrieben. Die Animation ist noch nicht auf höchstem Niveau. Dennoch macht die Reise mit Felix den Kindern Spaß. Denn für sie ist die Geschichte und die Identifikation mit den Hauptdarstellern wichtiger als die technische Umsetzung. (Rund um die Welt mit Felix – Eine abenteuerliche Reise durch fünf Kontinente, Coppenrath Verlag, 4 - 10 Jahre, 29 Euro 50).

Ebenfalls auf Kinderbuch-Klassiker setzt Oetinger interaktiv mit neuer Software zu alten Themen: Nachdem die erste Pippi- CD- ROM bei Oetinger nicht besonders erfolgreich lief und stillschweigend wieder aus dem Programm genommen wurde, starteten die Hamburger einen zweiten Versuch, der durch den Tod von Astrid Lindgren Ende Januar vermutlich besondere Aufmerksamkeit bekommt. Herausgekommen ist eine witzig gemachte Kinder-CD-ROM für kleine Pippi-Leserinnen. Ein Spiel, das einige Zeit Spaß macht, dann aber wohl auf Nimmerwiedersehen im Regal verschwindet: Auch wenn es deutliche Steigerungen zur Vorgängerversion gibt, so gehört diese CD-ROM nicht zu den besten Produkten aus dem Hause Oetinger (Astrid Lindgren: Kennst du Pippi?, Oetinger interaktiv, ab 4 Jahre, 19 Euro 90).

Überzeugender ist da schon die dritte CD-ROM mit Geschichten vom alten Bauern Pettersson und seinem frechen Kater Findus, die wie ihre Vorgänger mit sechs Mäusen und damit mit der Höchstwertung des Kindersoftware-Ratgebers von Thomas Feibel ausgezeichnet wurde (Sven Norqvist: Findus bei den Mucklas, Oetinger interaktiv, ab 6 Jahre, 35 Euro). Bleibt abzuwarten, was die Hamburger aus den „Olchis“ von Erhard Dietl machen, die im Herbst erstmals auf CD-ROM ihre Abenteuer erleben werden.

An Kinder und ältere Fans als Käufer denkt der Berliner Tivola-Verlag mit einem neuen Produkt: Im Juni kommt die erste Peanuts- Geschichte für den Computer auf den Markt: Linus hat seine Schmusedecke verloren. Der Spieler geht mit der zickigen Lucy oder dem grüblerischen Charly Brown auf die Suche, muss Snoopy füttern und fangen und sich hinter einer Sonnenbrille verstecken. Ein sehr unterhaltsames und nett gemachtes Spiel für kindliche Gemüter und echte Fans (Snoopy – Linus in Not, Tivola, ab 4 Jahre, 26 Euro 95).

Gegen den allgemeinen Trend hat A1 Software sich mit der im letzten Jahr begonnenen Reihe „Pong Pong“ dafür entschieden, selbst einen Charakter zu entwickeln und diesen im Markt zu platzieren. Gleich das erste Lernabenteuer mit dem unternehmungslustigen kleinen Schwein wurde von Kritikern hoch gelobt und mit Preisen ausgezeichnet. In seinen neuen Abenteuern verschlägt es Pong Pong und seinen Freund Ente Fei in die verlorene Welt, aus der sie nur zurückkommen, wenn sie eine Reihe von Aufgaben bewältigen, Teile eines fliegenden Autos suchen und zusammenbauen und einem Drachen möglichst viele Eier entwenden. (Pong Pong rettet die verlorene Welt, A1 Software, ab 5 Jahren, rund 16 Euro).

Auch Cornelsen hat sich mit den Mini-Mäusen für Charaktere entschieden, die den Kindern bisher noch nicht bekannt sind. Die Lernspiele für die Kleinsten werden für drei verschiedene Altersklassen angeboten: Professor Maximaus erfindet die verrücktesten Maschinen, die aber alle einen entscheidenden Fehler haben: Sie funktionieren nicht. Der Spieler muss nun durch das Lösen von altersgemäßen Aufgaben versuchen, die Erfindungen zum Laufen zu bringen. (Die Mini-Mäuse, Cornelsen Software, für Kinder von 3 - 4 / 4 - 5 und 5 - 6 Jahren, je 29 Euro 90).

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