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Der alte VHS-Rekorder wird endgültig zum Auslaufmodell: Auf der Cebit dreht sich alles um DVD- und Festplattenrekorder

Kurt Sagatz

Wer in der letzten Zeit versucht hat, in der Videothek einen aktuellen Film als VHS-Kassette auszuleihen, wird wissen, dass die Zeit der Videorekorder ausläuft. Bereits im letzten Jahr ging der Verkauf dieser Geräte um eine Drittel zurück. Dieser Trend wird sich nach Einschätzung des Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) in diesem Jahr ungebremst fortsetzen. Der DVD-Player hat die alte Technik längst zurückgedrängt – zumindest beim Abspielen. In diesem Jahr nun setzt die Unterhaltungselektronik-Branche zum nächsten Schritt an: Festplatten- und DVD-Rekorder – bislang eher ein Thema für Technik-Freaks und die so genannten Early Adopter – sollen den Videorekorder nun auch als Aufnahmegerät ablösen. Mehr noch: Die Geräte der neuesten Generation, die von Donnerstag an auf der Cebit in Hannover präsentiert werden, könnten zum bislang fehlenden Bindeglied zwischen der Welt der Computer und der Unterhaltungstechnik werden.

DVD-Rekorder ab 200 Euro

Am schnellsten dürfte sich der Markt für DVD-Rekorder entwickeln. Genau wie beim Videorekorder nehmen diese Geräte eine zuvor einprogrammierte Sendung auf, allerdings nicht auf Band, sondern auf eine DVD. Eine nachträgliche Bearbeitung – zum Beispiel das Entfernen von Werbung – ist damit zwar nicht möglich, dafür erreichen diese Geräte nach Experteneinschätzung in diesem Jahr das für den Massenmarkt interessante Preisgefüge zwischen 200 und 300 Euro. Selbst Neugeräte wie der LiteOn-DVD-Rekorder, der die Silberscheiben in allen gängigen Formaten beschreiben kann, sollen im Frühjahr für akzeptable 350 Euro auf den Markt kommen.

Mehr als doppelt so teuer ist der VHS-DVD-Kombirekorder von JVC. Dafür nimmt der DR-MV1 sowohl auf herkömmlichen Kassetten als auch DVDs auf. Mit dem Gerät lassen sich alte VHS-Videos zudem auf DVDs umkopieren. Auch Kopien von einer DVD auf VHS-Bänder sind möglich, vorausgesetzt, die DVDs sind nicht kopiergeschützt.

Vom Funktionsumfang erheblich interessanter ist in diesem Cebit-Jahr die Produktgruppe der Kombi-Rekorder, die sowohl über eine Festplatte als auch einen DVD- Brenner verfügen. Die Fernsehsendungen werden zuerst auf die Festplatte geschrieben, nur die besten Filme landen später auf einer DVD. Zudem erlauben diese Geräte zeitversetztes Fernsehen: Verpasst man den Beginn einer Sendung, beispielsweise wegen eines Telefonanrufs, so nimmt der Festplattenrekorder die fehlenden Minuten auf. Ist das Telefongespräch beendet, startet man einfach die Sendung.

Allerdings hat dieser Luxus seinen Preis. Der verhältnismäßig preiswerte Kombirekorder von Panasonic mit der Modellbezeichnung DMR-E85H wird nach der Markteinführung im Mai immer noch rund 900 Euro kosten. Das Gegenstück von Philips mit seiner 80 Gigabyte Festplatte soll noch einmal rund 100 Euro teurer sein, enthält dafür eine elektronische Programmzeitschrift, die über den Kabelanschluss aktualisiert wird. Noch weiter geht das Activity Media Center von Fujitsu Siemens. Das 1300 Euro teure Gerät verfügt neben der 160-Gigabyte-Platte und dem DVD-Brenner über einen Internet-Anschluss für die elektronische Programmzeitschrift. Mit dieser Maschine lassen sich Videos auch komplett aus dem Netz laden – natürlich gegen Gebühr.

Möglichst ohne Kabel

Technologisch ebenso spannend ist das Zusammenspiel zwischen Computern und Wohnzimmertechnik. In vielen Haushalten wird inzwischen ausschließlich digital fotografiert, auch die Musik- und Filmbestände werden zunehmend im Computer gespeichert. Um Fotos, Musik, Filme jedoch richtig genießen zu können, wird seit Jahren versucht, eine Brücke zwischen dem Arbeitszimmer-Rechner und dem Fernseher beziehungsweise der Stereoanlage zu bauen. Verstärkt setzt man dabei auf Funknetzwerke, die mühsames Kabelverlegen unnötig machen. Sowohl per Kabel als auch über ein W-Lan verbindet beispielsweise der Network HiFi Media Receiver von Sony den Computer mit dem Fernseher und der Hifi-Anlage.

Sowohl die klassischen Unterhaltungselektronik-Anbieter als auch die Computertechnik-Hersteller setzen große Hoffnungen in die neuen digitalen Multifunktionsgeräte. Allerdings kommt dieser Markt erst langsam in Bewegung und die Preise sind dementsprechend hoch. Roland Stehle von der gfu empfiehlt daher: Wer ein großes Archiv mit VHS-Kassetten hat, sollte mit dem Wechsel zum DVD-Rekorder und anderen Trendsetter-Techniken noch etwas warten.

Die Aussteller auf der Cebit: Liteon: Halle 25, Stand D50; JVC: Halle 2, Stand C36; Panasonic: Halle 1, Stand 6b; Sony: Halle 2, Stand C02

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