Garten : Alle Vögel sind schon da

Meine Frau hat sich im vergangenen Winter wieder als große Vogelfreundin erwiesen. Meisenknödel, Körner, sogar an ungeschwefelte Rosinen hatte sie gedacht. Und im Gegensatz zu früheren Jahren haben die Gefiederten das Angebot dankbar angenommen.

Grafik: Tsp

Kam ja auch von Herzen, aber jetzt muss Schluss sein, jetzt können die doch wieder für sich selber sorgen. Das Problem ist nur, die denken gar nicht dran, undankbare Brut.

Zum Beispiel dieser Eichelhäher. Schönes Tier, die braune Brust geht leicht ins Rosé, Gefieder in Blau und Schwarz. „Guck mal“, sagte meine Frau, wie der neulich in all seiner Pracht bei uns auf einem Ast saß, „der kommt bestimmt aus Dankbarkeit.“ Draußen schwang sich das Tier empor, stoppte seinen Flug allerdings gleich wieder, um auf der hölzernen Kante des von mir gerade erst zusammengeschraubten Hochbeets zu landen. Tack, tack, tack, pickte er mit seinem Schnabel mehrmals kurz hintereinander in die schwarze Erde. „Dankbarkeit sieht aber anders aus“, rief ich noch meiner Frau hinterher, die schon auf dem Weg nach draußen war, um das Mistvieh zu verscheuchen. Ursprünglich war es ja mein Plan, eigenes Gemüse anzubauen, sie hat sich das Vorhaben erstaunlich schnell zu eigen gemacht.

Draußen lagen grüne Spitzen leblos im Beet. Ich konnte nicht genau ausmachen, ob es sich um die Jungtriebe von Möhren, Radieschen oder Pflücksalat handelte. Eines ist aber sicher, meine Radieschen soll kein Eichelhäher kriegen.

Man macht sich doch was vor, wenn man denkt, der Garten sei so eine Art verlängertes Wohnzimmer. Ist er nicht. Das ist Natur in ihrer ganzen Erbarmungslosigkeit, da muss man auch mal Härte zeigen. Und wir waren viel zu lange viel zu gutmütig. Die Mäuse zum Beispiel, denen wir auf der Terrasse großzügig Unterschlupf gewährt hatten, die hatten sich zwischen den Töpfen, die dort dicht am Haus überwinterten, eingenistet. Was war ihr Lohn für diese gute Tat? Sie haben die Wurzel der Hanfpalme so lange zernagt, bis der Rest tot aus dem Topf gefallen ist. Jetzt also der Eichelhäher.

Als Sofortmaßnahme habe ich Kaninchendraht über das Hochbeet genagelt, hatte gerade nichts anderes zur Hand. Außerdem muss der Hund ab sofort wieder regelmäßig im Garten auf Patrouille gehen. Gegen Nachbars Katze, die früher immer in unseren Strandkorb gepinkelt hat, hat das doch auch geholfen. Der Hund hat sich im Winter lange genug auf dem Sofa ausgeruht.

Früher, als wir nur so Blumen hatten, da war mir das ja vergleichsweise egal. Dieses Jahr aber, nur mal so als Ansage auch an all die Schnecken, die sich da bestimmt demnächst auf den Weg machen werden: In diesem Jahr will ich endlich Pflaumen ernten, Birnen, Radieschen, Möhren und Salat. In diesem Jahr gilt null Toleranz.Andreas Austilat

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