Garten : Kälteschutz für Warmblüher

Le Nôtre: In Frankreich kennt den Namen jeder. Nein, nicht Gaston Lenôtre, den französischen Bäcker aus dem KaDeWe, ich meine André Le Nôtre, den Gärtner, der vor 350 Jahren den Park von Versailles anlegte.

Grafik: Tsp

André Le Nôtre gilt als Erfinder des Pflanzenkübel-Wagens. Große Sache, man stelle sich vor, was für ein Aufwand das war, als die Riesentöpfe noch in ihr Winterquartier getragen werden musste. Ich weiß, wovon ich rede, ich trage jedes Jahr unsere Palme über ein paar Stufen ins Haus und riskiere dabei eine Bandscheibe.

Dabei hätte Le Nôtre bestimmt nicht selber tragen müssen. Der Mann hatte ja ganz andere Möglichkeiten. Vor allem wusste er, wohin mit seinen Orangenbäumen, die damals große Mode waren. Man baute ihnen eigens Orangerien. Im 17. Jahrhundert hatte praktisch jedes Schloss so etwas. Das war ungeheuer praktisch. Im Winter überdauerte darin alles, was ein bisschen empfindlich war, im Sommer feierte man darin Partys, wenn der Himmel sich mal bedeckte.

Muss man natürlich auch den Platz haben. Weshalb sich meine Frau für die bescheidenste aller Lösungen entschied. Sie stellte sich im Winter immer so Plexiglashäuschen drinnen auf die Fensterbank, darauf konnte sie schon mal ein wenig das Frühjahr vorwegnehmen, indem sie aus dem Supermarkt ein paar Samentütchen mitbrachte, die dort meist Ende Februar im Kassenbereich herumliegen. Sonnenblumen zum Beispiel, zu Hause auf der Fensterbank zog sie daraus kleine Triebe. Die hat sie dann im Frühling ausgewildert – und wenig später zusammen mit dem ersten Unkraut wieder ausgerissen. Weil sich so ein kleiner Sonnenblumenspross vom gemeinen Löwenzahn kaum unterscheidet. Seitdem träumt sie von einer größeren Lösung, was mir ein bisschen Angst macht.

Meine Frau scheut ja auch vor Maurerarbeiten nicht zurück, sie hat sich schon mal vor dem Schuppen einen Platz geziegelt. Was, wenn sie nun eine Orangerie plant? Die Sorge war unbegründet. Dafür ist sie doch zu realistisch. Aber so ein Gewächshaus, das könnte sie sich schon vorstellen. Ich nicht.

Wir spazieren manchmal sonntags durch eine benachbarte Laubenkolonie. Ich habe mal auf die Gewächshäuser geachtet, die dort so rumstehen. Sie bestehen in der Regel aus Plexiglas, ein Material, das nach ein paar Jahren die Farbe von milchigem Zahnstein annimmt. So etwas will ich nicht im Garten haben.

Doch neulich sah ich „Herbagard“ in einem Gartencenter: Ein aufblasbares Gewächshaus. So eine temporäre Geschichte wäre womöglich die Lösung. Im Winter bleiben die Palmen darin, der Olivenbaum und die Banane, im Frühjahr lässt man die Luft raus und verstaut das Ding im Keller. Oder benutzt es als Schlauchboot! Leider ist Herbagard mit rund 400 Euro nicht billig. Aber mal sehen, vielleicht ist mir das die Bandscheibe wert. Andreas Austilat

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