Gartengerät : Mediterraner Salat aus Berliner Erde

"Oh“, wunderte sich unsere rückwärtige Nachbarin neulich, „Sie haben einen neuen Grill?“ Ich vermute mal, bevor sie diese Frage stellte, hat sie sich Sorgen gemacht.

Grafik: Tsp

Käme es nämlich allein auf die Dimensionen unserer Neuanschaffung an, man könnte schon glauben, wir würden professionell ins Grillgeschäft einsteigen. Und so rechnete sie wohl insgeheim mit einer gewaltigen Qualmwolke, sah schon bald bei uns ein Fähnchen zur Straße raushängen, auf dem „heute Bratwurst“ steht.

Nun, die Sorge war unbegründet: Es handelt sich um unseren neuen „Vegtrug“, als Grill komplett ungeeignet, weil aus Holz. Der Vegtrug sieht ein wenig aus wie eine Futterkrippe, kommt aus England, dem Mutterland wahrer Gartenkultur, und er verspricht, eine ziemlich gute Idee zu sein – geeignet, meine Frau und mich in unseren gärtnerischen Vorstellungen zu versöhnen. Denn seit wir diesen Garten haben, träume ich vom Gemüseanbau, meine Frau dagegen favorisiert ein Blütenmeer. Für beides ist der Garten leider nicht groß genug.

Der Vegtrug ist in seiner mittelgroßen Ausführung 75 Zentimeter breit und einen guten Meter lang, er steht auf vier Beinen und nimmt rund 200 Liter Erde auf. Darin baut man dann Gemüse an. Das bringt zwei Vorteile: Erstens muss man sich nicht einmal bei der Ernte der Radieschen bücken, der Vegtrug ist ungefähr so hoch wie eine Wickelkommode. Hat man zweitens sonnenhungriges Gemüse angebaut – zum Beispiel die „Mediterrane Salatmischung“ von der ich mir schon ein Samentütchen besorgt habe – und steht das Ding im Schatten, wird es eben in die Sonne gerückt. Theoretisch wenigstens.

Praktisch kam der Vegtrug letztes Wochenende per Post, 50 Schrauben später war er aufgebaut. Stellte sich die Frage, wohin damit? „Vor den Schuppen“, meinte meine Frau, „da sieht man ihn nicht so.“ Zu dunkel, entgegnete ich und witterte eine Intrige, meine Ambitionen als Salatfarmer zu konterkarieren. Und während ich die Eibe auf dem Grundstück unserer Nachbarin zur Linken fixierte – die Eibe ist es, die den Platz vor dem Schuppen nachmittags beschattet – und abschätzte, ob ich das Nadelgewächs wohl mit meiner neuen Teleskopsäge erreichen würde, tauchte selbige Nachbarin auf. „Was haben Sie denn da?“ – „Ein mobiles Gemüsebeet.“ Sie erkannte sofort, dass sich das Ding nicht mehr bewegen lassen würde, wenn ich erst einmal 200 Liter Erde eingefüllt hätte, und ahnte wohl meine geheimen Absichten. „Ich könnte Ihnen die Räder vom Krankenbett meines verstorbenen Mannes anbieten.“ Flugs montierte ich die Riesenrollen.

Jetzt sieht es ein bisschen so aus, als hätten wir ein hölzernes Krankenbett im Garten. Dafür kann unser Gemüsebeet der Sonne folgen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon mehrere fahrbare Vegtrugs über den Rasen vagabundieren. Großartig.

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