GARTENWELT Alles auf Grün : Viele Gewächse sind topffit

Mit einigen Töpfen, Blumenkästen oder Kübeln können Gartenfreunde auch auf versiegelten Flächen ein blühendes Wunder erleben

Selina Byfield

Als es warm wurde auf den Pankower Balkonen, Zehlendorfer Terrassen und Charlottenburger Loggien, begann das große Töpferücken. Kübelpflanzen wurden ins Freie getragen, Blumenkästen bepflanzt, Tröge mit Stauden arrangiert. Ein paar Handgriffe und das notwendige Kleingeld genügen, um kahle Flächen mit Pflanzen zu schmücken.

Wer keinen Garten besitzt und sich für ein grünes Refugium mit Kübeln entscheidet, sollte solch einen „Topfgarten“ doch ein wenig planen: Mit welchen Pflanzen möchte ich die Terrasse oder den Balkon schmücken? Wie ist die Lage des Standorts für die Pflanzen? Wie viel Platz habe ich für die Gefäße zur Verfügung, denn deren Größe und Höhe sollte sich nach der Größe der Wurzelballen richten. Sollen die Pflanzen nur eine Saison halten oder über Jahre kultiviert werden? Habe ich einen Raum für die nicht winterharten Gewächse zur Verfügung? Vor allem aber: Habe ich genügend Zeit für die Pflege? Denn Pflanzen in Kübeln und Kästen trocknen sehr schnell aus. Bei vielen Blumensorten muss Verblühtes regelmäßig entfernt werden.

Zu den Evergreens im Kübel zählen Margeriten, Begonien, Petunien und Geranien. Als üppig und überaus blühfreudig gelten Myrten, Korallensträucher, Engelstrompeten und Fuchsien. Kaum Probleme bereiten robuste Sorten von Buchs- und Lorbeerbäumen. Bonsai-Kiefern und Ginkobäume halten auch mal etwas höhere Temperaturen und wenig Wasser aus.

Seit Jahren beliebt sind mediterrane Gewächse wie Oleander, Oliven- und Feigenbäume sowie Zitrusgehölze im Zwergformat. Kleine Palmen wie Bananen oder Yucca bringen die Karibik nach Balkonien. Diese tropischen und subtropischen Pflanzen müssen allerdings im Haus überwintern. „Am besten an einem kühlen, hellen Standort“, rät Gartenbauingenieurin Anne Lehmann.

Und wohin geht der Trend im Topfgarten 2008? Laut Expertin Lehmann sind in diesem Jahr vor allem alte englische Rosensorten „mit schöner Füllung und Mandelduft beliebt“. Ihr Gestaltungstipp: rosa Rosen mit den langen Rispen des blauen Rittersporn kombinieren. Doch die edlen Blumen sind anspruchsvoll, sie brauchen Sonne und eine gute Düngung. „Balkone allerdings sind gerade in großer Höhe Extremstandorte“, warnt Lehmanns Kollege Matthias Kreutzer. „Da weht ein zu kräftiger Wind und auf der Südseite wird es oft zu heiß für Rosen.“

Wiederkehrende Blütenstauden, die wenig Sonne brauchen, sind Eisenhut oder Glockenblume. Von den einjährigen Saisonpflanzen blühen im Halbschatten beispielsweise Fleißige Lieschen und Schneeflockenblumen in schlichtem Weiß, Knollenbegonien leuchtend rot, gelb oder orangefarben. Zartes Blau und Violett zeigen Männertreu und Laurentie. Ebenso geeignet sind mehrjährige, wintergrüne Farne oder Gräser.

Neben Form und Farbe kann man den Topfreigen auch nach Themen arrangieren. Pflanzt man zum Beispiel Lavendel, Duftpelargonien oder Jasmin nahe an die Terrassentür, zieht der Blütenduft auch durchs Haus. Duft- und Würzkräutergärten aus Thymian, Basilikum, Zitronenmelisse oder Rosmarin in Töpfen gedeihen nicht nur im Freien, sondern auch auf der Fensterbank.

Apropos Kulinarisches: Hobbyköche können sogar Obst- und Gemüse im Kübel anbauen. Obstgehölze wie Apfel, Birne oder Pfirsich gibt es als Säulen- oder Zwergform. Hänge- oder Topferdbeeren gelten als besonders pflegeleicht. Als Gemüse lassen sich Cocktailtomaten, Kugel-Zucchini, Zwergpaprika und Babysalate im Balkonkasten ziehen. Ein weiterer Tipp der Gartenbauingenieurin: Die hoch wachsende Feuerbohne kann mit ihrer knallroten Blüte ein „schmackhafter“ Sichtschutz für die Terrasse sein.

So einfach es scheint, einen Topfgarten anzulegen, so wichtig ist es, ein paar Grundregeln zu beachten. So sollte man Pflanzen direkt nach dem Kauf umtopfen, denn: Zum einen brauchen die Wurzeln Platz, „je größer der Topf, desto besser“, sagt Lehmann. Außerdem heizten sich die kleinen, meist schwarzen Kunststofftöpfe im Sommer zu stark auf. Wer umtopft, braucht gute Erde. „Am besten eignet sich spezielle Kübelpflanzenerde, die mit einem porösen Material durchsetzt ist, damit der Boden locker bleibt. Der hohe Tonanteil hält die Feuchtigkeit“, erklärt Kreutzer. Für Obst und Gemüse kann ein Gemisch aus Blumenerde und Kompost sinnvoll sein. Auf jeden Fall sollte man sich im Fachhandel beraten lassen, welche Erde für welche Pflanze geeignet ist.

Wichtig ist auch die richtige Bewässerung. Ob Nutz- oder Zierpflanze, in der heißen Jahreszeit, muss man sie fast täglich gießen. Doch das Wasser darf sich nicht stauen, damit die Wurzeln nicht faulen. Balkonkästen brauchen Abflusslöcher. Wer in einem mehrstöckigen Haus wohnt, sollte sich für Kästen entscheiden, die ein Überlaufen des Gießwassers verhindern. Für den Pflanzkübel empfiehlt Anne Lehmann: „Am Topfboden schüttet man am besten eine Drainageschicht aus Tonscherben oder Blähton auf. Als Trennschicht zur Blumenerde eignet sich Vlies oder eine perforierte Zeitung“. Außerdem sollten die Gefäße auf kleine Füße gestellt werden, damit überschüssige Feuchtigkeit abfließen kann.

Was im Blumentopf gar nicht geht: „Pflanzen, die lange Pfahlwurzeln ausbilden oder Bambussorten mit langen Ausläuferwurzeln, sonst platzt jeder noch so massive Keramiktopf“, sagt Anne Lehmann. Und Kreutzer warnt: „Von billiger Erde sollte man grundsätzlich die Finger lassen. Das ist, als würde man ranziges Öl auf einen teuren Biosalat kippen“.

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