Zeitung Heute : Gastronomie: Die Messe Berlin will hoch hinaus

Harald Olkus

Wer Angst vor großen Plätzen hat, sollte den Hammarskjöldplatz am nördlichen Eingang des Berliner Messegeländes besser meiden. Der Wind pfeift über die ebene Fläche, die Fahnenmasten klappern monoton. Ein Platz, zu klein für einen Parkplatz und zu groß, um sich dort aufzuhalten. Das soll nun anders werden.

Die Messe Berlin will ihr nördliches Umfeld verbessern und durch "messeaffine" Dienstleistungen ergänzen. Damit sind Hotels und ein Freizeitzentrum (Urban Entertainment Center) gemeint. Das sei notwendig, damit sich die Messe am Markt besser ausrichten und international konkurrenzfähig bleiben kann, sagt Messe-Geschäftsführer Raimund Hosch. Die Messegesellschaft will allerdings nicht selbst bauen, sondern sucht dafür nach Investoren. Als Grundlage für das Auswahlverfahren wurde jetzt ein städtebaulicher Wettbewerb für die Gestaltung des Vorhabens durchgeführt, an dem sechs Architektenbüros teilnahmen.

Der Baustadtrat von Wilmersdorf-Charlottenburg, Alexander Straßmeir, hätte die Ausschreibung für "den größten Betrieb im Bezirk" gern selbst geleitet, doch der Stadtentwicklungssenat fand das Areal städtebaulich so wichtig, dass er das Verfahren an sich zog. Bei der Senatsverwaltung fand man es allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, auf Drängen eines privatwirtschaftlichen Unternehmens - der Messegesellschaft - zu handeln und nicht von sich aus. Das Verfahren sei aber stets "ergebnisoffen" gewesen, betonte Hilmar von Lojewski, Abteilungsleiter bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Ausgeschrieben waren zwei Grundstücke. Zum einen der Hammarskjöldplatz am Nordeingang des Messegebäudes und zum anderen das als Parkplatz genutzte Gelände entlang der Stadtautobahn zwischen ICC und Kaiserdamm. Das Konzept der Senatsverwaltung forderte von den Architekten unter anderem die Schaffung von 2000 Tiefgaragenplätzen unter dem Hammarskjöldplatz, die Planung eines Pavillons auf dem Platz und einen besseren öffentlichen Zugang zum Sommergarten. Die Messegesellschaft legte Wert darauf, dass in ihrem Umfeld rund 1000 Hotelzimmer im vier bis fünf Sterne-Bereich entstehen, während die Investoren ein Entertainment Center forderten. Das Entscheidungsgremium entschied sich beim Teilbereich Hammarskjöldplatz für den Entwurf des Berliner Architektenbüros Eckert, Negwer, Suselbeek. Ihre Planung korrespondiere am meisten mit der Architektur des Messegebäudes von Richard Ermisch aus den 30er Jahren, sagte von Lojewski. Außerdem wollen die Architekten den mittleren Teil des Hammarsjöldplatzes wie ein Podest anheben, wodurch ein "Platz im Platz" entsteht. Davon versprechen sich die Planer, den Platz besser als bisher vor unliebsamen Nutzungen, wie dem Abstellen von Containern oder Autos bewahren zu können. Außerdem habe das Architektenbüro mit rund 90 Metern das niedrigste Hotel der drei eingereichten Entwürfe vorgesehen, wodurch Funkturm und SFB-Hochhaus ihr Gewicht in der Stadtlandschaft behalten.

Der Bezirk Wilmersdorf-Charlottenburg hatte sich ursprünglich ganz gegen den Bau eines Hochhauses ausgesprochen. Für das Parkplatzgrundstück an der Stadtautobahn fiel die Wahl des Gremiums auf den Entwurf des Architektenbüros Behles und Jochimsen, ebenfalls aus Berlin. Vorteilhaft sei hier, dass die drei terrassenartig gestuften Gebäude eine modulare Bauweise ermöglichten und somit unabhängig voneinander errichtet werden können. Außerdem sieht das Konzept die geringste Bruttogeschossfläche der drei eingereichten Entwürfe vor. Dies sei hinsichtlich des Leerstands von Gewerbeflächen in der Stadt günstig bei der Vermarktung der Flächen, sagte von Lojewski.

Gut gefallen hat den Teilnehmern des Auswahlgremiums wohl auch, dass die Architekten mit der abgerundeten Dreiecksform von zwei der drei Bauten dem "Haus des Rundfunk" von Hans Poelzig eine Reverenz erweisen. In den drei Gebäuden sind insgesamt 680 Hotelzimmer geplant, während im Hochhaus am Hammarskjöldplatz etwa 430 Zimmer entstehen sollen. Für die Hotels, die nach Ansicht der Messegesellschaft zu den bestausgelasteten in der Stadt gehören werden, interessieren sich bereits vier Betreiber. Der für das Projekt zuständige Liegenschaftsfonds wird nun die beiden Grundstücke in einem Investorenauswahlverfahren vergeben. Noch im Herbst soll die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange für die beiden Bebauungspläne durchgeführt werden. Ein Jahr später soll der Baubeginn erfolgen. Der maßgebliche Teil des Erlöses aus dem Verkauf der beiden Flächen soll an die Messegesellschaft gehen.

Den Preis für die Grundstücke wollte die Messe nicht verraten, insgesamt handele es sich aber um ein Investitionsvolumen von mindestens 700 Millionen Mark. Die Messe will mit dem Geld ihr Stammkapital von 20 auf 90 Millionen Mark aufstocken. Die Erhöhung sei notwendig, damit der Südeingang des Messegeländes an der Jafféstraße ausgebaut und neu gestaltet werden kann, sagte Messe-Geschäftsführer Raimund Hosch. Derzeit laufen noch die Vorbereitungen. Im November dann soll die Planung der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Sofern die Messe Berlin den Zuschlag für das Broadcasting Center der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erhält, will sie eine neue Halle bauen. Falls dass nicht klappt, wird die neue Halle 26 erst dann gebaut, wenn die Messe die zusätzlichen Kapazitäten benötigt.

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