Zeitung Heute : "Gastrotel"-Liste: Berlins Nummer 1 bleibt das "First Floor"

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Es ist nur ein Spiel fern jeglicher Objektivität - allerdings eins, das in der deutschen Spitzengastronomie mit allergrößter Aufmerksamkeit beobachtet wird. Alljährlich stellt der Gourmet-Journalist Günter Schulze-Arius sämtliche deutschen Restaurants zusammen, die in mindestens zwei der sechs auflagenstärksten Führer erwähnt sind. Ein ausgeklügeltes Punktesystem macht die einzelnen Bewertungen vergleichbar - und so liegt nun die Rangliste der 1074 besten Restaurants vor. In der letzten Ausgabe des Fachmagazins Gastrotel ( www.gastrotel.de , Tel. 0221 / 12 02 42) wurde sie jetzt veröffentlicht.

An der Spitze keine Überraschung: Harald Wohlfahrt und Helmut Thieltges teilen sich den ersten Platz, da sie in allen Führern die Höchstbewertung erhalten haben (60 Punkte), hinter ihnen liegt Heinz Winkler, dem die dritte Varta-Mütze noch fehlt. Bestes Berliner Restaurant ist wieder mit kleinem Vorsprung das "First Floor" im Palace-Hotel (51,5 Punkte, Rang 14 hinter 28 höher bewerteten Restaurants). Auf Anhieb ganz nach oben schaffte es das "Margaux", das ebenso wie die "Quadriga" im Brandenburger Hof 50 Punkte erzielte: Rang 17, Platz 54/55). Vom frischen Michelin-Stern beflügelt stieg das Storkower "Windspiel" auf 49 Punkte (19/84), die auch "Vau" und "Hugenotte" in Berlin erreichten. Auf Rang 21/Platz 99 folgt mit 48 Punkten verdient ein Berliner Klassiker, das "Alt Luxemburg". Das ist die Berliner Spitzengruppe mit allen Restaurants, die sowohl von Michelin als auch von Varta ausgezeichnet wurden.

Siegfried Rockendorfs neuer Anlauf kurz vor seinem plötzlichen Tod wurde von fast allen Führern honoriert; nur der Varta hielt sich zurück und ließ das Restaurant damit auf 41 Punkte (Rang 34, Platz 159) sinken. Dicht dahinter folgen mit 39,5 Punkten "Bamberger Reiter" und "Harlekin", mit 38 Punkten das "Portalis". Stark unter Wert eingestuft sind "Lorenz Adlon" (36 Punkte), "Vivaldi" im Ritz-Carlton und "Ana e Bruno" (33 Punkte) - diese Restaurants werden von Varta und Michelin abgestraft und schafften es trotz hohen Lobs in den anderen Führern nur auf Plätze zwischen 250 und 285. Dies gilt auch für das "E.T.A.Hoffmann". das es auf 31,5 Punkte brachte. Im Quervergleich wird deutlich, dass die Berliner Restaurants im "Feinschmecker" deutlich niedriger bewertet werden als in den anderen Führern und so - wohl unverdient - an Boden verloren. Dafür hat der "Feinschmecker" ein Faible für Exoten, die anderswo nicht erwähnt werden und also in der Gastrotel-Liste fehlen.

Schulze-Arius hat seiner Auswertung noch eine ganze Reihe von aufschlussreichen Statistiken angefügt. So ist Berlin gemessen an der Einwohnerzahl eine der kulinarisch am schlechtesten versorgten deutschen Städte: 67 Restaurants werden insgesamt in allen Führern erwähnt, je eins auf 51 800 Einwohner. Baden-Baden führt die Liste mit 3500 Einwohner pro Betrieb an, es folgen Freiburg (9400) und Düsseldorf (13 600). Auch Dresden (23 700) und Leipzig (34 400) liegen noch weit vor der Bundeshauptstadt.

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