Zeitung Heute : Gates lobt die Deutschen

Aber Warnung vor einer Zwei-Klassen-Nato

Ingrid Müller

München - Nach einer turbulenten Woche der Debatte über die Lastenverteilung beim Afghanistaneinsatz der Nato und die Rolle der Deutschen hat US-Verteidigungsminister Robert Gates mit seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Sonntag Druck von den Deutschen genommen. Er wiederholte aber die Warnung, dass es keine Teilung der Nato in zwei Klassen geben dürfe. „In der Nato sollten nicht einige Verbündete den Luxus haben, sich nur für stabilisierende und zivile Operationen zu entscheiden, und damit andere Verbündete zwingen, eine unangemessen große Last beim Kämpfen und Sterben zu tragen.“

Allerdings sagte Gates, er habe mit seinem Brandbrief an die Nato-Partner nicht mit dem Finger auf Deutschland zeigen oder es zum Sündenbock machen wollen. „Die Deutschen machen einen hervorragenden Job im Norden. Es gibt eine Reihe von Ländern, die nicht kämpfen wollen“, sagte er, ohne eines zu nennen. „Der Brief war einer von 25, aber Deutschland ist wohl etwas überempfindlich.“ Es gehe nicht darum, dass ein einzelnes Land seine Verpflichtungen nicht erfüllt habe. Das sei eine Frage der Allianz als Ganzes. Zu Spekulationen über die notwendige Anzahl der Soldaten in Afghanistan sagte Gates: „Sie brauchen nicht so viele, wenn sie die richtige politische Strategie haben.“ Die Nato brauche eine umfassende Strategie mit Sicherheit und zivilem Wiederaufbau. Gates wies an dieser Stelle ausdrücklich auf die Rede von Bundesverteidigungsminister Jung hin, der sich ähnlich geäußert hatte. Gates forderte nachdrücklich einen Koordinator für die zivile Hilfe.

Nach der Gates-Rede sieht Außenamts-Staatsminister Gernot Erler die deutsche Position gestärkt. Erler sagte dem Tagesspiegel: „Es war bemerkenswert, dass er indirekt auch etwas Positives über den deutschen Ansatz gesagt hat. Die Diskussion, dass unsere Arbeit im Norden weniger zählt als andere Beiträge, akzeptieren wir nicht.“ Ingrid Müller

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