• Gauck nennt Steuerhinterziehung asozial Bundespräsident fordert strengere Gesetze Bayern-Chef Hoeneß: Habe Riesenmist gebaut

Zeitung Heute : Gauck nennt Steuerhinterziehung asozial Bundespräsident fordert strengere Gesetze Bayern-Chef Hoeneß: Habe Riesenmist gebaut

Berlin - Ungewöhnlich scharf hat Bundespräsident Joachim Gauck auf den Fall Uli Hoeneß reagiert. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich vor wenigen Tagen noch „enttäuscht“ vom Präsidenten des FC Bayern München gezeigt hatte, ist Gauck nun „verärgert“. Im Interview mit dem Magazin „Stern“ sagte Gauck: „Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial.“ In Deutschland dürfe es in rechtlichen und moralischen Fragen nicht zweierlei Standards geben, einen für die Starken und einen für die Schwachen. „Niemand darf selbst entscheiden, ob er Steuern zahlt oder nicht“, sagte Gauck.

Der Bundespräsident plädierte dafür, darüber nachzudenken, „ob nicht auch strengere Gesetze nötig sind, die aus einer fragwürdigen Handlung einen Straftatbestand machen“. Was sich keineswegs ausbreiten dürfe, sei das Gefühl: Wer nicht trickst, ist selbst schuld. „Dieses Gefühl gefährdet unsere Demokratie.“ Es sei für ihn eine „Überraschung“ gewesen, dass Hoeneß Steuern hinterzogen habe. Er erschrecke jedes Mal, „wenn Sympathieträger stürzen, weil sie irgendwie verstrickt sind. Eigentlich ist es mehr als ein Schreck – ich ärgere mich.“ Leider sei es oft so „mit großen Persönlichkeiten im Sport, in der Wirtschaft, in der Politik – viele sind nur Vorbilder auf Zeit“. Gauck warnte aber auch vor einer „kitschigen Vereinfachung“ des Gesellschaftsbilds. „Wer sich unsere Gesellschaft so vorstellt, als stünden lauter moralische Normalverdiener lauter unmoralischen Reichen gegenüber, der irrt.“ Er betonte: „Ich finde es nicht unmoralisch, reich zu sein. Ich finde es unmoralisch, unmoralisch reich zu sein.“

Uli Hoeneß selbst hat im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ einen großen Fehler zugegeben. „Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch“, sagte Hoeneß. In den Jahren 2002 bis 2006 habe er „richtig gezockt“ und teilweise Tag und Nacht gehandelt. „Das war der Kick, das pure Adrenalin“, erklärte Hoeneß. Nach dem Platzen der Internetblase am Finanzmarkt habe er schwere Verluste eingefahren. Mit einer Strafverfolgung habe er lange Zeit nicht gerechnet. Dann habe am 20. März die Staatsanwaltschaft an der Tür seines Hauses am Tegernsee geklingelt. „Da begann die Hölle für mich.“ Hoeneß ging auch auf die Kritik von Angela Merkel ein. „Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann die Gelegenheit bekäme, der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist“, sagte er.

Der Bayern-Präsident hatte bei Bekanntwerden seiner Steuerhinterziehung darauf verwiesen, dass er auf den Abschluss eines Steuerabkommens mit der Schweiz gehofft habe. Das scheiterte aber am Widerstand von Rot-Grün im Bundesrat.

Am Mittwoch signalisierte die Schweiz in dieser Frage Gesprächsbereitschaft. „Wenn Deutschland nach seiner Ablehnung das Gespräch mit uns suchen will, sind wir offen“, sagte Außenminister Didier Burkhalter der „Bild“-Zeitung. „Der heutige Zustand mit Zufallsfunden und rechtlich fragwürdigen CD-Käufen ist für beide Seiten unerfreulich.“ Die Unionsfraktion im Bundestag begrüßte die Bereitschaft zu neuen Verhandlungen. Der Finanzexperte Ralph Brinkhaus erklärte: „Es ist ein wichtiges Signal der Schweiz, dass das Land trotz der Bundesratsblockade durch Rot-Grün bereit ist, weiter über ein Steuerabkommen zu verhandeln.“ SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte auf einer Kundgebung im westfälischen Bergkamen, er halte neue Verhandlungen mit der Schweiz für möglich.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!