Zeitung Heute : GdP-Chef: Vier Abschnitte der Polizei sollen geschlossen werden

Der Tagesspiegel

Von Katja Füchsel

Mehrere Polizeiabschnitte sind offenbar von der Schließung bedroht. Nach Angaben des Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft GdP prüft die Polizeiführung derzeit, vier Abschnitte aufzulösen und zwei weitere zusammenzulegen. „Wir warnen ausdrücklich davor, nur aus Sparzwängen und ohne Beteiligung der Bevölkerung und der Bezirke diese Pläne umzusetzen“, sagte der GdP-Landeschef Eberhard Schönberg am Sonntag.

Auf der Streichliste stehen nach GdP-Angaben der Abschnitt 73 in Marzahn, 42 in Schöneberg, 22 in Spandau und 61 in Friedrichshain. Die Abschnitte 51 in Rudow und 56 in Britz sollen aufgelöst werden und gemeinsam in die Gropiuspassagen ziehen.

Nach Schönbergs Angaben könnten mit einer Auflösung der Abschnitte keine großen Summen eingespart werden. Die Nachteile hingegen seien erheblich. So würden die Anfahrtswege der Polizei länger. Ein Problem mit der Sicherheit ergäbe sich daraus allerdings nicht: Von den Abschnitten werden nur die so genannten nicht eilbedürftigen Einsätze übernommen. Aber auch die Bevölkerung müsste mehr Zeit mitbringen, wenn jemand Anzeige erstatten wolle oder als Zeuge vorgeladen wird. „Äußerst problematisch“ erscheinen dem GdP-Chef die Pläne für die Abschnitte 51, 56 und 42: „Das sind polizeiliche Schwerpunkte.“ Das Gebiet in Rudow und Britz gelte als Sammelbecken für Rechtsradikale. Und in Schöneberg würden sich nicht selten soziale Konflikte in Kriminalität entladen.

Nach Schönbergs Schätzung wären von den Schließungen 600 bis 700 Mitarbeiter betroffen. Diese würden dann auf andere Polizeistationen verteilt. Derzeit werde geprüft, ob die sich die Schließung der Abschnitte rechnen würde.

Bei der Senatsverwaltung für Inneres will man nur die Zusammenlegung der zwei Abschnitte in Neukölln und Spandau bestätigen. Richtig sei zwar, dass die Polizei auch Schließungen prüfe, aber: „Das ist noch nicht spruchreif“, sagte Sprecherin Henrike Morgenstern. Es handele sich in Neukölln und Spandau um „Kleinstabschnitte“, die durch die Zusammenlegung auf die in Berlin übliche Größe anwüchsen. Ressourcen könnten besser genutzt und so betriebswirtschaftliche Einsparungen erzielt werden. Und die längeren Wege? „Angesichts der Finanzlage Berlins muss man diese Möglichkeiten nutzen“, sagte Morgenstern.

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