Zeitung Heute : Geb. 1911

Der Tagesspiegel

Er wurde nicht Kaufmann, sondern Jesuit. Trotzdem verstand er es hervorragend, mit Geld umzugehen.

Wäre Hans Bayer in die Fußstapfen seines Vaters getreten, hätte er wohl Karriere als Geschäftsmann gemacht. Schon als Gymnasiast entschied er sich aber, Jesuit und Seelsorger zu werden. Mit 21 Jahren wurde er Novize, das war 1932. Dennoch entwickelte Hans Bayer, der viele Jahre mit dem Studium von Sprachen, Theologie und Philosophie verbrachte, ein ganz besonderes Verhältnis zum Geld. Er konnte nicht nur besonders gut damit umgehen, er war auch ein Meister darin, Menschen zu überzeugen, Geld und Sachwerte zu spenden. Eine Begabung, die besonders nach dem Krieg in Berlin sehr nützlich war: Das Ordenshaus war von den Nationalsozialisten demontiert worden, die Jesuiten lebten zerstreut in der Stadt.

1954 bekam Pater Bayer die Aufgabe, sich um die Finanzierung eines neuen Ordenshauses zu kümmern. Dem stattlichen Pater, der immer gepflegt und gut gekleidet war, gelang es, viele Unterstützer für das Projekt zu gewinnen. „Der Himmel schickte mir – Gott sei Dank! – gute Menschen zu Hilfe“, schrieb er in dem kurzen Text „Daten meines Lebens“. Im Januar 1957 konnte das neue Ignatiushaus, benannt nach dem Ordensgründer Ignatius von Loyola, bezogen werden. 30 Jesuiten fanden in dem großen Gebäude ein neues Zuhause.

Kaum war dieses eine Bauprojekt beendet, ging es schon ums nächste. Das Ausbildungshaus des Ordens sollte von Bingen am Rhein nach Berlin verlegt werden. Wieder musste ein Grundstück gefunden und Geld aufgetrieben werden. Pater Bayer ließ in Kladow innerhalb von zwei Jahren das „Peter-Faber-Kolleg“ aufbauen, ein neues Ausbildungshaus, das heute auch Ruhesitz der Jesuiten ist.

„Die mannigfache Sorge für die Erstellung des Ignatiushauses und das Peter-Faber-Kolleg hatte meine Kräfte aufs Äußerste gefordert“, schrieb Pater Bayer. Dennoch hatte er die Seelsorge nicht vernachlässigt. Kontakte zu Mitbrüdern und Gemeinden in der DDR und Polen waren entstanden, zweimal im Monat brachte er Arbeits- und Lebensmittel nach Biesdorf.

Dass er neben alldem auch Gottesdienste feierte, verstand sich von selbst. „Pater Bayer war einer, der auf beiden Schultern trug“, sagt ein Mitbruder. Bis zu seinem 85. Lebensjahr wohnte er im Ignatiushaus und half mit Predigten und Gottesdiensten in Berliner Pfarrgemeinden aus. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Kladow.

Die Zukunft des Ignatiushauses ist heute ungewiss. Nur noch 17 Ordensbrüder leben in dem großen Haus. Ursula Engel

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